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Kritik

Darum könnt Ihr Euch die 2. Staffel von „The OA“ schenken

Was haben ein Oktopus, ein paar tanzende Roboter und eine Augmented-Reality-App gemeinsam? Sie spielen allesamt eine zentrale Rolle in der 2. Staffel von „The OA“, der US-Indieserie von Brit Marling und Zal Batmanglij. Aber so sehr sie die Episoden mit ihrem Auftreten auch in neue Richtungen lenken, so unklar bleibt vieles danach. Der fette Haken der acht frischen Episoden ist nämlich: Sie ergeben zusammen nur eine Zwischenlösung. Die Macher suchen nicht nach gut zugeschnittenen Antworten, sie wollen auf das große Ganze hinaus. Und das hat bei ihnen fünf Staffeln. Denn Marling und Batmanglij haben Netflix eben nicht nur die Pilotstaffel, sondern gleich vier weitere gepitcht. Nachdem die ersten Folgen 2016 so gut ankamen, muss nun also keine Staffel für sich mehr logisch und in sich abgeschlossen sein. Es geht noch mehr. Doch was ist dieses ‚mehr’ eigentlich?

„The OA“: Ab jetzt ist nichts mehr logisch

Zum Inhalt: Während es ganz zu Beginn noch darum gehen sollte, wohin die blinde Prairie (Brit Marling) sieben Jahre lang hin entschwunden war und wie es dann sein konnte, dass sie plötzlich wieder sehend auftauchte, geht es jetzt um neue Dimensionen. Denn nachdem zum Schluss der ersten Staffel Prairie bei einem Massaker an einer Schule scheinbar getötet wurde, findet sie sich mit einem Mal in dem Körper einer anderen Frau wieder.

Diese sieht zwar wie sie aus, hatte sogar eine ziemlich ähnliche Kindheit, war aber nie blind und führt nun das Leben einer Reichen, die immer mal wieder als Medium in einem zwielichtigen Laden auftritt. Kaum hat sie ihre neue Situation realisiert, macht Prairie sich auf die Suche nach den Menschen, mit denen sie früher im Keller des Psycho-Wissenschaftlers Hunter ‚Hap’ Percy (Jason Isaacs) eingeschlossen wurde. Es gilt herauszufinden, ob Rachel (Sharon Van Etten), Renata (Paz Vega), Scott (Will Brill) und vor allem ihr geliebter Homer (Emory Cohen) ebenfalls den Sprung in die neue Dimension gepackt haben. Kleiner Spoiler: Natürlich sind alle mehr oder weniger in anderen Versionen ihrer selbst angekommen, auch ihr Peiniger Hap.

Kooperation

Mit diesem Start ist in jedem Fall geklärt, dass Prairie keine Schizophrene oder einfach nur eine Lügnerin war, wie es die erste Staffel noch etwas offen ließ. Aber abgesehen von der Frage, ob sie in andere Dimensionen flutschen kann oder nicht, wird nicht viel mehr geklärt. Die Episoden entwickeln sich zu einem Wahnsinnswirrwarr, das es unmöglich macht, einen Sinn in dieser Staffel 2 zu entdecken. Da wäre zum einem der Privatdetektiv Karim Washington (Kingsley Ben-Adir), der anfangs mit der Suche eines vermissten Mädchens beauftragt wird und dabei erst auf eine Augmented-Reality-App stößt, die ihn wiederum zu einem Unternehmen führt, in dem Träume aufgezeichnet werden und das darin nach Mustern sucht. An sich eine packende Ausgangslage, nur haben wir es erst mit einem Macho von Schnüffler zu tun, der sich später als blasse Marionette von Prairie entpuppt. Die App, mit der jede Menge kuriose Rätsel gelöst werden müssen, hat auf dem Handyscreen letztlich nur grün-schwarze Matrix-Muster zu bieten, was enttäuschend eindimensional ist.

Unzählige Anspielungen ohne klare Linie

Arbeitet man sich Folge für Folge vor, bekommt man immer mehr das Gefühl, hier hätten Brit Marling und Zal Batmanglij einen inspirierenden Ausflug in die Bibliothek gemacht und dann mal ein bis zwei Sätze aus ihren liebsten Stephen-Hawings-, Traumdeutungs-, Sekten- und christlich angehauchten Büchern rausgeschrieben und daraus eine kitschig-prätentiöse Storyline zusammengeklebt. Ach Quatsch, gleich mehrere Storylines. Fünf mindestens. Und es kommt vor, dass sie nur wenig miteinander zu tun haben. Oder nicht wiederkehren – auf keinen Fall werden sie aber erklärt. Schließlich will man ja noch genügend Stoff für die kommenden Staffeln haben.

Aber wer will die bitte sehen? Wenn in dieser schon ein Oktopus anfängt mit Prairie zu sprechen, in dem er mit seinen glitschigen Armen fest an ihre andockt und sie so eine Idee von einer weiteren Dimension bekommt? Oder wenn dann eine weitere Dimensionenspringerin auftaucht, wie wild Sex mit Hap hat, nur um sich dann mithilfe einiger zappelnder Roboter wieder wegzubeamen? Es versteht sich von selbst, dass die Staffel einem eine umfassendere Erklärung schuldig bleibt. Genauso, warum man es hier mit einem allwissenden FBI-Agenten (Riz Ahmed) zu tun hat, der sich schon in der 1. Staffel als höchst dubios erwies. Womöglich bringen die nächsten Staffeln tatsächlich die wünschenswerten Aha-Momente, aber zu denen wird man sich sado-masochistisch zwingen müssen, weil diese acht Folgen schon reine Tortur waren.

„The OA”, Staffel 2, seit 22. März auf Netflix im Stream verfügbar


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