Das österreichische Jugendwort des Jahres 2017 wird nicht besser als das deutsche

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In schöner Tradition stellte sich auch dieses Jahr allgegenwärtige Erheiterung und Unverständnis ein, als der Langenscheidt-Verlag im Oktober die Longlist für das Jugendwort des Jahres vorstellte. Zur Wahl stehen seitdem ach so jugendliche Wortneuschöpfungen wie „nicenstein (perfekt, allen Wünschen entsprechend)“, „selfiecide (Tod durch den Versuch, ein Selfie zu machen)“, „Noicemail (nervige Sprachnachricht)“ sowie der halbe Sprüchekatalog der Facebookseite „Nachdenkliche Sprüche mit Bilder“. Bis zum 15. November kann online über den diesjährigen Gewinner abgestimmt werden, Die Top 10 des Votings werden am 17. November einer von Langenscheidt zusammengestellten Fachjury vorgelegt, die dann das Jugendwort des Jahres 2017 kürt. Im vergangenen Jahr konnte sich der Begriff „fly sein“ im Online-Voting und bei der Fachjury durchsetzen. Fragt nicht.

Wer sich nun trotzdem über Sinn oder Unsinn dieser Liste und des Votings ärgert oder sich immer noch wundert, warum er außerhalb des Langenscheidt-Kosmos von vielen dieser Wörter noch nie hörte und nie mehr hören wird, sei an dieser Stelle beruhigt: Das österreichische Jugendwort des Jahres 2017 wird nicht besser als das deutsche.

Österreicher unter 25 Jahren dürfen beziehungsweise sollen unter folgenden Vorschlägen abstimmen:

  • ABL
  • Cipster
  • Disapointinger
  • Hallo, I bims
  • instagrammen
  • Lauch
  • lit
  • snitch
  • vong

Na, seid Ihr auch eingeschlafen? Weil voll 2016 und so?

Zum Glück hat Österreich immerhin ein Pendant zum guten alten „Postillon“, und zwar die „Tagespresse“. Die stellte am Mittwoch ihre eigenen Kandidaten für das dortige Jugendwort des Jahres vor, darunter so brisante Highlights wie „kindern (sexuelle Kontakte zu Minderjährigen über Tinder suchen)“ und Halblustiges wie „zu Kurz kommen (einen Maturanten zum Regierungschef machen)“. Wäre diese Liste wahr und repräsentierte entsprechend tatsächlich die österreichische Jugendsprache im Jahr 2017, könnte immerhin festgestellt werden, dass Österreichs Jugend deutlich politischer als die deutsche ist, so vong Inhalt her. Ist sie aber nicht.


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