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Der Mittwoch beim Roskilde Festival – David schlägt Goliath

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Was den faltbaren Timetable des Roskilde-Festivals dieses Jahr besonders putzig macht, ist ein kleines Blitz-Symbol, das neben Namen wie Slayer, At the Drive-In, aber auch Skepta prangt. Wer sich hier nach vorne wagt, muss, so die Macher, mit einem „High Energy Concert“ rechnen. Vor Moshpits und Getanze wird ausdrücklich gewarnt – mitmachen auf eigene Gefahr.

At the Drive-In nicht auf Top-Niveau

Für die wiedervereinigten At the Drive-In ist es am Roskilde-Mittwoch der erste Auftritt, seit sie ein paar Nordamerika-Konzerte haben ausfallen lassen – wohl weil Sänger Cedric Bixler-Zavala zwischenzeitlich mit Stimmproblemen zu kämpfen hatte. Die kann man aus seinem furiosen Gekreische zwar noch raushören, für eine grundsolide Leistung reicht es aber. Auf das fantastische Level der Deutschland-Konzerte im April schafft es die Band nicht, auch der Rest der Besetzung wirkt müder als sonst und zappelt ausnahmsweise mal nicht wie ein Fisch an Land. Als „High Energy Concert“ geht die Show aber trotzdem durch.

Was im Übrigen auch für Hinds gilt, die spanischen Garagen-Newcomer, die mittlerweile genauso schnell wachsen wie ihr Leuchtstoffröhren-Logo im Bühnenhintergrund. Dass die vier Freundinnen aus Madrid bei der Vergabe der Faltplan-Blitze leer ausgegangen sind, ist zwar verständlich, doch nach einer begeisternden Stunde auf der Pavilion Stage haben sie sich mindestens eine Honorable Mention verdient. Musikalisch wirken Hinds immer eingespielter und fähiger, Gitarristin Ana Perrote spielt ihre Soli inzwischen fast fehlerfrei. Was dagegen nicht besser wird – und darüber sollten wir sehr dankbar sein – ist der wunderbar schiefe Harmonie-Gesang von Perrote und ihrer Kollegin Carlotta Cosials, die gegen Ende auch zu einem kurzen Stage-Dive ansetzt.

David schlägt Goliath

Dass Hinds dabei fast ihr komplettes Set parallel zum ersten Headliner, den Red Hot Chili Peppers, spielen müssen, nehmen sie gelassen und geben sogar eine kurze A-Capella-Version von „By the Way“ zum Besten. Wer danach noch die Energie hatte, sich den Rest der „echten“ Peppers anzusehen, bekam blutleere Rohkost vorgesetzt. Von einer Band, die ihr Programm so abgestimmt, professionell und lustlos runterspielt, dass jeglicher Anflug von Funkyness im Keim erstickt wird – und sich das Publikum ab Mitternacht bei den Stoner-Legenden Sleep oder der sehr empfehlenswerten chilenischen Kraut-Band Föllakzoid austoben musste, um diesen Totalausfall zu vergessen. Es sind eben nicht immer die großen Namen, die für die großen Momente sorgen.



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