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Die 50 besten Songs von Queen

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Am 5. September wäre Queen-Sänger Freddie Mercury 66 Jahre alt geworden.  In unserer Galerie stellen wir die 50 besten Songs der Band vor.

Und aus DAS ARCHIV – Rewind: ein Interview mit Mercury, das wir 1984 führten.

ME/SOUNDS: Wie wichtig sind Songtexte für dich?
MERCURY: Naturlich sind sie wichtig, aber sie fallen mir sehr schwer. Melodien finde ich viel leichter. Gott sei Dank ist es normalerweise die Melodie, die einen Song verkauft. Ganz, ganz selten habe ich zuerst den Text beisammen. Für mich sind die Songtexte einfach komplett eskapistisch. Ich glaub nicht, daß ich die Veranlagung habe, tiefschürfende „Botschaften“ zu schreiben. Für mich ist ein Queen-Song lediglich etwas, was man sich anhört und dann wegwirft – wie ein Tempo-Taschentuch. Ich gehe ins Kino und vergesse für anderthalb Stunden meine Probleme. Ich bin nicht hier, um zu verkünden „Ändere dein Leben, hör einen Queen-Song“. Ich will das Leben der Leute nicht ändern. John Lennon konnte Songs mit einer Botschaft schreiben. Stevie Wonder. Die haben aber auch danach gelebt. Bei denen kannst du sicher sein, daß die das auch so meinen, wenn sie ein Friedenslied schreiben. Ich bin nicht so. Ich schreib gern einen netten Song mit einer guten Melodie, das ist alles, und gleich weiter, den nächsten.

ME/SOUNDS: Was denkst du über die neuen Gruppen, die sich mit einem auffällig schwulen oder transsexuellen Image präsentieren? Gruppen wie Frankie Goes To Hollywood oder Culture Club beispielsweise.
MERCURY: Einige Images sind gut, andere mies. Boy George mag ich ungeheuer. Seine Rolle ist verdammt schwer: es ist mutig, daß er das macht – und es ist wunderbar, daß es klappt. Und er glaubt auch an das, was er tut! Okay, jeder kann sich eine Menge Puder und Make-up auf die Backen klatschen. Aber Boy George hat nicht nur ein Image – obendrein sind seine Songs gut! Das Schock-Element ist grundsätzlich positiv. Aber bei manchen klappt’s einfach nicht und wirkt ein bißchen ordinär. Das hängt vom Einzelnen ab.

ME/SOUNDS: Hat Queen auch mit diesem Schock-Quotienten gespielt?
MERCURY: Oh, ich denke schon. Wir haben mit Roxy Music angefangen, mitten in der Glam Rock-Ära. Sicher, Boy George ist sehr couragiert, aber er kann auch auf unsere Erfahrungen zurückgreifen. Als ich anfing, war das Publikum an Bands gewöhnt, die auf der Bühne Jeans trugen. Als sie plötzlich Freddie Mercury in einem Zandra Rhodes-Gewand sahen, mit Make-up und schwarzem Nagellack, war das absolut unerhört.

ME/SOUNDS: Natürlich konzentriert sich in England, besonders in Blättern wie „The Sun“, das Interesse vor allem auf das Sexleben dieser Paradiesvögel…
MERCURY: Ja, ich weiß. Du wirst mich vermutlich nach dieser Geschichte in der „Sun“ fragen, daß ich angeblich schwul bin. Was mich betrifft: Ich bumse, wen ich will und wann ich will. Über Queen haben die Zeitungen doch schon immer geschrieben, was sie wollten – sollen sie doch! Ich mach mir deshalb keine schlaflosen Nächte. Aber dieser eine Artikel war völlig falsch zitiert, absolut aus der Luft gegriffen. Was kann ich dagegen schon tun? Soll ich mir die Haare raufen und sagen: „0 mein Gott, ich muß das unbedingt richtigstellen?“ Die Frau, die den Artikel geschrieben hat, wollte einfach eine knallige Story von mir und hat nichts bekommen. Ich hab sie gefragt: „Was willst du hören? Daß ich mit Kokain deale oder was?“ Da hat sie halt einfach geschrieben, daß ich zugegeben hätte, schwul zu sein. Ich bin doch nicht bescheuert, so was zu sagen! Dazu bin ich zu intelligent.

ME/SOUNDS: Es überrascht mich, daß das Thema deiner Sexualität nicht noch extremer ausgeschlachtet wurde – nimmt man dein Bühnen-Image, den Bandnamen und so weiter…
MERCURY: Ich bin immer in die Schwulen-Kiste gesteckt worden. Erst hieß es, ich sei bisexuell, dann war es der Zwitterlook; außerdem hab ich einige Sprüche draufgehabt, die gute Schlagzeilen hergaben. Wenn du auf meine sexuellen Vorlieben anspielst: Ich mach’s ganz einfach mit jedem, den ich mag. Da gibt’s keine Schubladen. (Seufzt.) Mein Privatleben ist privat. Ich rede über praktisch alles, aber das letzte auf der Welt, was ich machen würde, wäre, zur „Sun“ zu gehen und zu sagen: „Ich geb’s zu, ich gebe zu. daß ich schwul bin.“ Das ergibt keinen Sinn. Wenn doch, hätte ich es schon vor Jahren gemacht.

ME/SOUNDS: Zynisch betrachtet, ist es jetzt ja eine gute Zeit zum Schwulsein. Gut fürs Geschäft.
MERCURY: Ist es wirklich, nicht wahr? In diesem Geschäft ist es gut, schwul oder sonst etwas Unerhörtes zu sein, wenn du neu bist. Wenn ich aber jetzt damit an die Öffentlichkeit träte, würden die Leute sagen: „0 Gott, jetzt erklärt Freddie plötzlich, daß er schwul ist, weil’s grad im Trend liegt, schwul zu sein. Das ist nicht mein Bier. Solche Sachen überlasse ich den Leuten, dies nötig haben. Die einzige Sache, die mir etwas bedeutet, ist die Musik. Wenn die Musik sich nicht mehr verkauft, hör ich einfach auf damit.

ME/SOUNDS: Was uns zur unvermeidlichen Frage der Lebensdauer einer Gruppe bringt: Gibt es einen Punkt, von dem an du nicht mehr auf der Bühne stehen kannst?
MERCURY: Das einzige Indiz ist die Platte. Was die Presse sagt, spielt keine Rolle. Wenn du aber die Platte nicht verkaufst, dann war’s das. Im Moment langweilen mich die Bühnenshows. Ich will andere Sachen machen. Ich will an Orten spielen, wo ich noch nie gespielt habe. Wir überlegen uns gerade, ob wir nach Südafrika gehen; das wird zwar politisch einigen Staub aufwirbeln, aber ich scheiß drauf.

ME SOUNDS: Okay, letzte Frage: Was wirst du heute in 20 Jahren machen?
MERCURY: Was ich heute in 20 Jahren machen werde? Dumme Frage. Ich werde tot sein, Darling!

Dieser Text ist ein Teil von „DAS ARCHIV – Rewind“, für das über 100.000 Artikel eingescannt und mit einer automatischen Schrifterkennung nachbearbeitet wurden. Aufgrund der Artikelmenge kann es an manchen Stellen noch immer zu Fehlern in der Darstellung kommen. Wir arbeiten stetig an der Behebung und bitten so lange um Verständnis.


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