Highlight: Sigrid, Superorganism und Co.: Was wurde aus den Acts unserer Hotlist 2018?

Diese 10 Newcomer solltet Ihr beim Reeperbahn Festival nicht verpassen

Zum 11. Mal findet 2016 das Reeperbahn Festival in Hamburg-St.Pauli statt. Längst hat sich das Club-Festival zum größten Branchentreffen Deutschlands entwickelt und ist für Bands und Acts eines der wichtigsten Schaufenster, um sich für Magazine, Festivalbooker und Labelvertreter attraktiv zu machen. Wir haben uns durch das gigantische Line-Up mit über 450 Acts gehört und empfehlen Euch besonders diese 10 Künstler auf der Reeperbahn und in der Umgebung auszuchecken.

Yung (Dänemark)

Yung ist das musikalische Projekt von Mikkel Holm Sillkjær aus Aarhus. Und entgegen des Namens gibt es hier nicht Trap-Rap der Atlanta-Schule auf die Ohren, sondern mal brachial-rumpelnden, mal unheimlich melodischen Lo-Fi-Post-Punk. Live treten Yung als kompaktes, treibendes Quartett auf, die Shows ähneln nicht selten den ungestümen ersten Gehversuchen junger Bands in Jugendzentren, nur dass hier Musiker auf der Bühne stehen, die die Mischung zwischen Bubblegum und Distortion passgenau auszutarieren zu wissen. Im Juni erschien das Debüt A YOUTHFUL DREAM, das mit Songs den „Pills“ und „Uncombed Hair“ die Vorschusslorbeeren der ersten beiden EPs einlöst.

Dominik Sliskovic

 

Der Ringer (Deutschland)

Ja, die Hamburger haben einige Stunden in der Pop-Schule ihrer Heimatstadt genommen. Diskurs-Pop ist das hier dennoch keineswegs. Vielmehr spielt das junge Quintett eine Art melancholischen New-Romantics-Sound ohne riesigen Maschinenfuhrpark. Die Aufruhr, die Isolation Berlin mit ihrem so extrovertiert selbstreflektierenden Debüt erschaffen haben, sollte für diese Band nur noch mehr Anreiz sein, sich und den eigenen Idealen treu zu bleiben. Flehender Gesang hat schon lange nicht mehr einen solchen verzweifelten Habitus verkörpert.

Dominik Sliskovic

Hallo Wohlstand (Deutschland)

Im Forum der Visions findet sich ein Bandaufruf der Band Hallo Wohlstand, die im Jahr 2012 einen Drummer für ihre Band gesucht hat. Vier Jahre später scheinen sich Andrew Manitew, Christoph Romahn und Timo Schröder in Hamburg gefunden zu haben. Zwar gibt es auf dem Wohlstands-Youtube-Account noch wenig aktuelles Material, aber das bereits Vorhandene klingt so wunderbar grimmig und düster wie man sich die Laune der Jugend im Herbst des Jahres 2016 zwischen AfD-Populismus und 1-Life-Vereinnahmung durch die Sparkasse vorstellen mag.

Louisa Zimmer

Gurr (Deutschland)

Seit vier Jahren machen Andreya Casablanca und Laura Lee Jenkins als Gurr Musik. Was als Trio gestartet ist, ist nun zum Duo zusammengewachsen. Die ersten Proben fanden in einer Garage im Berliner Stadtteil Neukölln statt. Genauso euphorisiert wie man sich die ersten Proben der Band vorstellen mag klingt der charmante Garage-Rock der Band auch heute noch. Nach der EP „Furry Dream“ aus dem vergangenen Jahr erscheint am 14.10.2016 das Gurr-Debütalbum IN MY HEAD. Beim Reeperbahn Festival gibt es sogar zwei Mal die Möglichkeit, die neuen Songs des Duos live zu erleben.

Louisa Zimmer

Sevdaliza (Niederlande/ Iran)

Mit 16 Jahren wurde Sevdaliza Profi-Basketballerin, bis sie dem Leistungsdruck nicht mehr standhalten konnte. Ein Glück – nicht für ihr Gemüt, aber für uns. Denn sonst wäre uns die wunderbare Musik der Niederländerin mit iranischen Wurzeln vorenthalten geblieben. Sevdalizas R&B-Pop, der sich auf den beiden im vergangenen Jahr veröffentlichten EPs „The Suspended Kid“ und „Children Of Silk“ findet, ist im gleichen Maße gefühlvoll wie mystisch. Untermischt mit elektronischen Elementen, die die Künstlerin im Alleingang produziert, ist diese Klangmischung perfekter Soul für das digitale Zeitalter.

Louisa Zimmer

Woman (Deutschland)

Hört man „Psychedelic Lover“, nein, man würde nicht vermuten, dass diese Band aus der Karnevalshochburg Köln stammt. Schwüler Gesang im kühlen Zeitgeist-Pop-Gerüst stammt doch sonst aus New York, L.A. oder London. Woman jedoch sind aus Köln und momentan eine der spannendsten einheimischen Combos, weil sie in ihrem Sound überhaupt keine Spuren zu ihrer Wahlheimat am Rhein legen. Insbesondere die zwischen selbstbeherrschten Elektropop und Mathrock changierenden Rhythmen lösen unweigerliches Fußzucken aus. Wenn eine Band wie Beat!Beat!Beat! vom NME in den Himmel gelobt wurde, was steht diesen Herrschaften dann bloß für eine Zukunft in den Sternen geschrieben?

Dominik Sliskovic

Communions (Dänemark)

Was wurde dem Grundwasser Dänemarks eigentlich zugesetzt, dass ihre Kids so grandiose Musik machen? Communions aus Kopenhagen sehen zwar aus wie Abziehbilder aus Shane Meadows „This Is England“ und auch ihr Sound vermengt die Tristesse des Thatcher-Nordengland mit der Hymnenhaftigkeit der Stone Roses und Oasis, doch ihr Trick ist es, den Hörer niemals die Nostalgie-Keule aus dem Jutebeutel holen zu lassen. Viel eher möchte man diesen blassen Bengeln stolz die Schulter klopfen und ihnen eine 1+ für ihre Konsequenz im Fach „Musikgeschichte ins hier und heute übertragen“ geben.

Dominik Sliskovic

Alexandra Savior (USA)

Alexandra Savior ist 21 Jahre alt, ein schüchternes Mädchen im großen, glitzernen Mikrokosmos Los Angeles. Doch mit einer Stimme und einer unerschütterlichen Mystik ausgestattet, dass sie es ohne Label auf den Soundtrack des „True Detective“-Soundtrack geschafft hat. Wie sie das gemacht hat? Sie hat Alex Turner (musikalisch) um den Finger gewickelt und wurde zu seiner Muse. Der Arctic-Monkeys-Sänger produziert derzeit das Debütalbum Saviors, die beim Reeperbahn Festival ihre erste Deutschland-Show spielen wird und dabei auch ihre neue Single „M.T.M.E.“ vorstellt.

Dominik Sliskovic

 

 Golf (Deutschland)

Die in Köln ansässige Band hat das beste deutschsprachige Album des Jahres aufgenommen. Punkt. Wen das noch nicht überzeugt, der bekommt hier eine kurze Erklärung, warum: Golf bringen auf PLAYA HOLZ Witz und Ernst, Eskapismus und Hedonismus auf eine Weise zusammen, die es in dieser Konsequenz noch nicht gegeben hat. Synthie-Geflirre und Afro-Beats setzen sich zu einem eklektischen Mix zusammen, der in Jahrzehnten wahrscheinlich unter der Genrebezeichnung „Golfpop“ seine Runden durch die Musikredaktionen ziehen wird.

Dominik Sliskovic

Yes We Mystic (Kanada)

Mit Gitarre, Synthesizer, Mandoline, Violine, Cello und Keyboard macht das Quintett Yes We Mystic aus Kanada Art Rock, der wohlmöglich nicht nur aufgrund ihrer Herkunft gerne mit dem Querverweis auf Arcade Fire beschrieben wird. Das Debütalbum FORGIVER ist im April via Bandcamp erschienen und verspricht heimelig-gemütlichen DIY-Rock, der sich bestens für (kältere) Herbsttage eignet.

Louisa Zimmer


Hurricane Festival 2019: Diese Bands solltet Ihr Euch nicht entgehen lassen
Weiterlesen
Kooperation