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Eine Boombox von den Beatsteaks

von

Boombox

wird das sechste Studioalbum der Berliner Band

Beatsteaks

heißen. Kurz bevor Sänger Arnim Teutoburg-Weiß und Bassist Torsten Scholz den Musikexpress in ihren Proberaum in Kreuzberg einluden, um sieben ihrer voraussichtlich zehn neuen Songs vorzuspielen, rissen sie noch das Plakat von der Wand, auf dem sie alle Titelentwürfe notiert hatten, über die die Band heiß diskutiert hatte. Die Beatsteaks haben Boombox seit Juli auch dort, in ihrem Proberaum eingespielt, nachdem erste Aufnahmen im „Chez Cherie“- Studio in Neukölln „einfach nicht so geil wie die Demos“ geworden sind, wie Arnim erzählt. Moses Schneider (u. a. auch Tocotronic, Dendemann, Turbostaat), der neben ihm wieder als Produzent für das Quintett arbeitete, brachte die Beatsteaks dann auf die nahe liegende und beste Idee: „Warum bleibt ihr denn dann nicht einfach in eurem Proberaum?“Von dem Geld, das sie sonst für das Studio ausgegeben hätten, kauften die Beatsteaks teure Mikrofone (und noch eine Klimaanlage, weil sonst im heißen Sommer nicht viel zusammengegangen wäre), „und ab Juli lief es“. Fast alles wurde live aufgenommen, kaum Overdubs, nur den Gesang extra – „warm und rotzig“ im Sound, sagt Arnim. Nach „35 Minuten bei uns zu Hause“ solle die Platte klingen. Im Sommer 2008 hatten sich die Beatsteaks auf unbestimmte Zeit von ihrem Publikum und als Band voneinander verabschiedet. Gitarrist Peter Baumann sagte im Interview mit dem Musikexpress damals: „Ich finde es wichtig, eine Pause zu machen. Das heißt ja nicht: ,Wir lösen uns auf!´ … Und selbst wenn es so wäre, dreht sich die Welt morgen auch weiter.“ Tatsächlich dauerte die Pause länger, als die Band geplant hatte. Und es war gar nicht so einfach, die fünf wieder zusammen in einen Raum zu bekommen. Torsten Scholz, der die Auszeit unter anderem dafür genutzt hatte, Unterricht an seiner Bassgitarre zu nehmen, spricht den Gedanken aus, den sie für Momente alle hatten: „Was ist, wenn es das jetzt war?“ Boombox steht also für ein Happy-End: Die Beatsteaks gibt es auch weiterhin.Noch vor der Abmischung, die Nick Launay (u. a. Produzent von Nick Cave und Maxïmo Park sowie Mixer von Arcade Fire) in Los Angeles erledigte, präsentierte sich dem Musikexpress ein Album mit etwas gezügelterem Tempo – „wir wollten die Sachen mehr ausfahren“, wie Arnim es beschreibt. Sehr kraftvoll sind die Stücke trotzdem, wieder auch sehr abwechslungsreich in ihren stilistischen Anleihen und Arrangements, und vor allem Arnim Teutoburg-Weiß traut sich als Sänger immer weiter immer mehr zu.Die Songs, die wir vorhören durften, heißen: „Fix This“ (ein sperriger, böse rumpelnder Opener)„Milk & Honey“ (die erste Single, mit Piano-Akkorden, luftig und leicht)„Under A Clear Blue Sky“ (mit Gesang von Gitarrist Peter Baumann und einer geradezu sehnsuchtsvollen Melodie)„Behaviour“ (gerechtes 1:20-Minuten-Brett)„Let´s See“ (Reggae mit Quietscheorgel)„Cheap Comments“ (soulige Atmosphäre, Arnim ist irgendwo zwischen Anthony Kiedis und David Byrne kaum wiederzuerkennen)„Excess & Adrenaline“ (wie der Titel schon sagt).Boombox soll am 28. Januar erscheinen. Die Vorabsingle „Milk & Honey“ erschien am 12. November bereits als „erste Single der Welt zum Ankucken“ – sprich: Es wurden nur die Noten und der Text veröffentlicht, und jeder, der sich dazu berufen fühlt, durfte und darf seine eigene Version des Songs aufnehmen. Das wurde auch schon fleißig getan, wie sich hier verfolgen lässt:

Die „echte“ Single wurde am 3. Dezember zum Download veröffentlicht. Oliver Götz – 09.12.2010


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