Embryo im Interview mit dem Musikexpress


Als erste deutsche Gruppe überhaupt gelang es Embryo, sich einen Platz im Starangebot des Reading-Festivals zu beschaffen. Dieses gegenwärtig wohl legendärste britische Festival verhalf in den letzten Jahren unter anderem Jethro Tull, Rory Gallagher's Taste und den holländischen Focus zum ganz grossen Durchbruch. Warum sollte es Embryo in diesem Jahr nicht schaffen!

Als erste deutsche Gruppe überhaupt gelang es Embryo, sich einen Platz im Starangebot des Reading-Festivals zu beschaffen. Dieses gegenwärtig wohl legendärste britische Festival verhalf in den letzten Jahren unter anderem Jethro Tull, Rory Gallagher’s Taste und den holländischen Focus zum ganz grossen Durchbruch. Warum sollte es Embryo in diesem Jahr nicht schaffen! Die benötigten Erfahrungen und Qualitäten bringen sie zumindest mit, ausserdem sind sie ständig den neuesten Musikeinflüssen offen und immer Willens, fortschrittliche, interessante Musik zu spielen. Das bewiesen sie nicht nur auf jeder ihrer bisher 4 fantastischen LP’s. Genauso sind ihre Live-Auftritte ein wertvolles Kleinod in der deutschen Rockszene.

ME sprach sofort nach ihrer Rückkehr aus England mit Schlagzeuger und letztem Ur-Embryo Christian Burchard über das Gelingen und die Eindrücke dieses Auftritts.

ME: Wie gelang es Euch, das Gros der englischen Gruppen hinter Euch zu lassen und einen festen Platz im Reading-Programm zu bekommen?

Chr.: Unser Manager war mit einem brandneuen Band von uns drüben, um es dort vielleicht unterzubringen. Die Leute von Radio Luxemburg, z.b. Kid Jensen, hörten es und standen wahnsinnig drauf. Sie wollten es auch gleich für ihren Verlag erwerben, doch zu diesem Zeitpunkt hatte ich es hier in Deutschland schon an BASF vergeben! Weil die Luxemburg-Typien so begeistert waren und ausserdem irgendwie etwas mit der Auswahl zu tun hatten, schaffen wir es, einen Auftritt zu kriegen. Nur auf Grund dieses Bandes hat’s geklappt. Wir waren selbst überrascht, denn wir hätten es echt nicht erwartet.

ME: Wie seid Ihr als erste deutsche Gruppe dort aufgenommen worden?

Chr.: Das war unheimlich gut und die Leute waren schön angeheizt. Der Nachteil war, dass wir das ganze Festival (3 Tage) eröffneten, doch immerhin standen zu dem Zeitpunkt schon 40.000 Leute vor uns. Auch viele Deutsche waren darunter, die während der Stücke unsere Namen riefen, einfach wahnsinnig! Wir blieben nach dem Gig nicht mehr lange, aber ich glaube, wir waren die einzigen, die etwas freier spielten, so dass die Leute voll einsteigen konnten. Zugaben lagen leider nicht drin! Es war alles so gut organisiert, und jeder hatte genau 45 Minuten Zeit für seine Stücke, egal, wer es war!

ME: In welcher Besetzung seid Ihr drüben aufgetreten?

Chr.: Wir waren zu Dritt. Roman (Bunka) an der Gitarre und anderen Saiteninstrumenten, Jimmy (Jackson) an den Keyboards und ich am Schlagzeug, Xylophon und Percussion. Kurz vor der Sache stieg leider unser Pianist aus, der Dieter Mikautsch. Jetzt Ende September wollen wir eine feste Besetzung aufbauen, die dann hoffentlich eine Weile länger zusammen bleibt.

ME: Wann erscheint die neue Embryo-LP?

Chr.: Voraussichtlich Ende September. Während ‚Steig aus‘, unsere letzte, Session-Charakter hatte und collagenhaft zusammengestellt wurde, ist diese so gut wie durchkonzipiert und von der ganzen Gruppe erarbeitet. Früher lagen ja leider die meisten Stücke in meinen Händen. Dadurch, dass sie jetzt von allen ausgehen, wandeln sie sich öfter usw. Die Besetzung wechselt in den einzelnen Stücken je nach Geschmack und Bedarf. Das Album heisst übrigens ‚We keep on‘.

ME: Man merkt Eurer Musik an, dass Ihr Euch in kein Schema pressen lassen wollt. Ihr wärt bestimmt nicht damit einverstanden mit ‚Rock- bzw. Jazzmusiker‘ angesprochen zu werden.

Aber was ich trotzdem gerne wissen möchte, wäre Deine Meinung über die musikalischen Wandlungen der nächsten Jahre. Welche Stilart wird dominieren?

Chr.: Wahrscheinlich keine bestimmte. Am besten wäre es natürlich, man würde diese ganze Terminologie weglassen. Wahrscheinlich werden die Leute in den nächsten Jahren sowohl Jazz- als auch Rockmusik hören. Du kannst schon heute kaum mehr trennen – Was ist Pop oder Rock?! Wenn Du mich zu einer Definition zwingen würdest, kann man es vielleicht so sagen: 40% Rock, 30% Jazz und sehr viel Musik anderer Kulturkreise, die noch lange nicht ausgeschöpft sind, und natürlich die Technik wird mehr Raum einnehmen. Aber besonders die Musik aus anderen Kulturkreisen wird sich vermehren, weniger in Richtung Indien, aber z.B. die Türkei usw. Roman spielt bei unseren Gigs eine Saz (Saiteninstrument) wie eine Sologitarre und vor allem elektrisch. Du bekommst durch neue Klänge ungeheuer viele neue Möglichkeiten. Letzten Endes hängt jedoch wieder alles am einzelnen Musiker, wie wandlungsfähig er ist und inwieweit er sich solchen Sachen öffnet.