Feuerpause bei Uriah Heep?


Man braucht nicht lange in den Analen der Pop-Musik zublättern, um auf URIAH HEEP zustossen, denn die Gruppe besteht erst seit 34 Monaten. Umso erstaunlicher ist ihr Erfolg, sowohl als Live- und auch als LP-Gruppe.

Das Quintett gehört zu den musikalischen Schnellbrütern der englischen Scene und ihre Liste von bisher 4 LP’s gibt dieser Feststellung recht. Doch ist es gerade dieses Tempo, welches die beiden Gründer Ken Hensley und Mick Box vorlegen, dass der Gruppe so zu schaffen macht. Die Formation hält auch, was Umbesetzungen anbelangt, eine einsame Spitze. In den knapp drei Jahren, ist nicht weniger als fünf mal die Rhythm-Sektion komplett ausgewechselt worden.

NEUE LEUTE GEBEN SICH DIE KLINKE IN DIE HAND

Spielte bei ‚Very ‚Eavy, Very ‚Umble‘, einem musikalischen Kraftakt sondergleichen, noch Ollie Olson Drums und Paul Newton Bass, so musste Ollie als die Idee zu ‚Salisbury‘ geboren war, seinen Hocker hinter der Schiessbude räumen. Da auf dieser zweiten LP mit viel Bläsern und Streichern gearbeitet wurde, hatte er mit seiner kräftigen und wuchtigen Schlagarbeit keine Chance mehr. Man suchte etwas weicheres. Jemand der in der Lage war, die bombastische Musik-Idee soft und melodiös zu begleiten. Ollie Olson ging zu Elton John und Keith Baker von Bakerloo machte sich an die Arbeit.

REISEN IST NICHT IMMER ANGENEHM

Mit ‚Salisbury‘ glaubte das Triumvirat von URIAH HEEP, Hensley, Byron und Box endlich ihre eigene Musik gefunden zu haben. Und in der Tat, mit dieser zweiten LP schaffte die Gruppe den wirklichen Durchbruch. Waren sie mit ihrem Heavy-Stuff in „very ‚umble“ noch der absolute Knüller in Londoner Discotheken, so wurden sie mit ‚Salisbury‘ reif für die Konzerthallen und das nicht nur in England. Für die Gruppe begann die grosse Reisesaison. Sie kamen nach Deutschland, gingen in die Schweiz, Frankreich, Italien und machten ausgedehnte Skandinavien Tourneen. Nach diesen Mammut-Touren, innerhalb eines 3/4 Jahres legte die Formation über 200 000 km zurück, flippte Keith Baker aus. Er sollte einer der wenigen bleiben, die durch eigenen Entschluss die Gruppe verliessen. Im Frühjahr 1971 wurde er durch Ian Clarke ersetzt.

UND WEITER WIRD AUSGEWECHSELT

Die Gruppe ging mit der neuen Besetzung ins Studio. ‚Salisbury‘ blieb nur noch Erinnerung und war für die fünf schon vergessen, als sie im August 1971 ihre dritte Scheibe in Angriff nahmen. ‚Look at yourself wurde eine etwas gemilderte Fassung ihrer ersten LP. Doch auch nach der Fertigstellung kam Uriah Heep personell nicht zur Ruhe. Die Umbesetzungen nahmen kein Ende. Paul Newton, Bass, der bis dahin noch als ruhender Pol in der Band gelten durfte, drehte drei Monate nach Fertigstellung von Look at yourself durch. Kurz vor Weihnachten 1971 musste er mit einem totalen Nervenzusammenbruch in die Klinik geschafft werden. Paul Newton war restlos am Ende, er hatte zu viel gesehen. In einem Statement der Plattenfirma hiess es lediglich: Paul Newton hat wegen musikalischer Differenzen Uriah Heep verlassen. Aber auch dem Drummer Ian Clarke erging es nicht viel besser. Zwar hätte er gerne noch weiter gespielt, doch als mit Paul nichts mehr anzufangen war, musste auch er gehen. Zu diesem Zeitpunkt, als mal wieder die Rnythm-Sektion aus allen Fugen krachte, waren die Ideen bei Hensley, Byron und Box abermals so weit gediehen, dass man nun mit zwei neuen Leuten, Mark Clarke (Ex-Colosseum) und Lee Kerslake (Ex-National Head Band), die vierte LP in Angriff nehmen konnte. Doch Mark Clarke verliess im Februar nach zwei Monaten Bass-Arbeit Uriah Heep, sein kürzestes Gastspiel in einer Gruppe überhaupt. Gary Thain klopfte an Tür und wurde genommen. Auf diese neue Rhythmusbasis Kerslake-Thain, wurde die bisher letzte LP ‚Demons and Wizards‘ aufgebaut. Seit nun fast zehn Monaten ist bei Uriah Heep der grosse personelle Stillstand eingetreten und der Gruppe hat diese Ruhe gut getan. Auf einer Amerika-Tournee im Sommer dieses Jahres hat sich dieser Umstand sehr positiv ausgewirkt. Selbst harte amerikanische Kritiker sprachen von einer ungemein gelösten Formation. Doch es wird nach letzten Informationen in der nächsten Zeit wieder zu Umbesetzungen kommen. Uriah Heep gönnt sich also keine Feuerpause.