Fluch der Panthersippe – Nastassja Kinski in Paul Schraders „Katzenmenschen“


Ein geheimnisvoller Fluch liegt über der Sippe der Katzenmenschen. Nur durch Inzest bleibt diesen Wechselgeschöpfen die Verwandlung in reißende Bestien erspart. Paul Schröder verfilmte dieses Thema mit Nastassja Kinski in der Hauptrolle, bewies im Umgang mit der Idee aber nicht so viel Fingerspitzengefühl wie DavidBowie und GiorgioMoroder, die für „Cat People“ einen phantastischen Soundtrack produzierten. Einen besseren Appetizer als diesen Titelsong hätte sich Paul Schrader für seinen Film »Cat People“ (Katzenmenschen) kaum wünschen könnenm. Seit Wochen stimmt uns dieses magische Stück von David Bowie (Musik: G. Moroder, der den kompletten Soundtrack schrieb) auf den großangekündigten Thriller ein. »See these eyes ol green …“ – die inzestuös miteinander verbundenen Panther-Geschöpfe, die -.putting out the fire with gasolin“ -Benzin ins Feuer ihrer Leidenschaften gießen, indem sie sich nach dem Liebesakt mit normalSterblichen in reißende Bestien verwandeln. David Bowie und Giorgio Moroder gelten verdientermaßen als feinfühlige bzw. gewiefte Protagonisten, als optimale Verkäufer suggestiver Klänge. Und so schufen sie die Illusion vom feinsinnigen Psycho-Horror, dem eleganten Schauder, der nichts zu tun hat mit dem Profilierungs-Trip blutrünstiger Maskenbildner. Eine Illusion, wie gesagt. Paul Schrader arbeitete als Drehbuchautor für „Bkie Gollar“, .American Gigolo“, »Hard Core“ und „Raging Bull“, bis ihm an der Schreibmaschine nichts mehr einfiel. Er nahm den Rat an, erst einmal Regie zu führen. Und diese Neuverfilmung des „Cat People“-Themas, so sagt er, habe ihn sofort auch zu weiteren Scripts inspiriert. Besonders die Idee, einen .Nachttraum“ – (im Gegensatz zu Tagtraum -) filmisch zu transportieren, habe ihn beflügelt. Denn Nachtträume hätten ihre eigene Logik. (Das Buch zu diesem Film stammt übrigens von Alan Ormsby und entstand nach einer Geschichte von DeWitt Bodeen. Der erste »Cat People“-Thriller kam 1942 ins Kino.) Als Regisseur zeigt Paul Schrader im Umgang mit der Idee weitaus weniger Fingerspitzengefühl als die Musiker. Vielmehr verläßt er sich auf den publikumswirksamen Namen seiner Hauptdarstellerin Nastassja Kinski, deren linkische Biederkeit im Interesse der Story weitgehend sogar angebracht sein mag. Ein junges Mädchen, Irena, kommt nach Jahren einer verschleierten Vergangenheit nach New Orleans in das Haus ihres Bruders Paul (Malcolm McDowell), um dort von ihrer verhängnisvollen Bestimmung zu erfahren: nämlich als Abkömmling jener verwunschenen Panthersippe nur ihresgleichen lieben zu dürfen – Paul, um exakt zu sein. Dieser Bruder, gegen dessen sexuelle Attacken sie sich verzweifelt wehrt, besitzt allerdings nicht den Funken von geheimer Verführungskraft, sondern ausschließlich das abstoßende Flair eines Sexualmörders. Aus diesem Fluch seiner katzen-menschlichen Wechselexistenz kann ihn nur die Liebe seiner Schwester erlösen … und umgekehrt. Vielleicht liegt es an der von Paul Schrader berufenen Logik des Nachttraumes, daß er dem Zuschauer das feine Kribbeln einer sich langsam aufbauenden Spannung nicht gönnt. Das Verwunschene kommt vielmehr aufdringlich und platt, der Horror entlädt sich in purer Gewalt mit abgerissenen Gliedmaßen und viel Blut. Und Werwoli-Fans kommen wieder auf ihre Kosten, wenn der menschliche Körper unter dem Knirschen sich verformender Knochen die Verwandlung zur Bestie durchmacht. Schrader’s Katzenmenschen sind unsouveräne Typen von nebenan, die sich vollkommen unglamourös mit ihrem Schicksal herumschlagen. Daß Irena dabei auf den Mann, der sie liebt, einen verhängnisvollen Zauber ausübt, erfährt man zwar aus dem Dialog, aber man spürt es nicht. Es liegt nichts in der Luft, keine persönliche Magie, nicht mal in den Grenzbereichen. Vibrierende Spannung? Nur im Soundtrack. »Pro foraia plotting and acting“, urteilte Schrader’s Kollege lohn Gregory Dünne.