Flurfunk

Kein Fußbreit für Michael Flatley

Kollege Koch steckt seinen Kopf durch die Tür, hat seine Umhängetasche über der Schulter, er geht jetzt nach Hause, das ist mal klar. „Dass Du das aushältst! Ich wollte jetzt eigentlich noch meine Elektrokolumne schreiben. Aber das geht einfach nicht.“ Vom Hof her poltert und klappert es, als vertonte ein Geräuschemacher die Reitszenen sämtlicher „Bonanza“-Staffeln nach. Wenn da nicht noch diese unablässig tirilierenden irischen Tin Whistles wären. Tatsächlich hopsen irgendwelche kleinen Lords of the Dance auf unseren Nerven herum. Denn wir sind hier am Mehringdamm von geschätzt der Hälfte aller Berliner Tanzschulen eingekreist. (Vorsicht, viel zu bald schon werden wir bestimmt das Gleiche über die Yogastudio-Szene der Hauptstadt behaupten – bleiben Sie aufmerksam, bleiben Sie kritisch!) Um es aber gleich vorweg zu nehmen: Am Ende wird dann doch wieder alles gut. Koch schreibt seine Elektrokolumne fertig, und sie bleibt frei von Einflüssen keltischer Folklore. Unser Autor Thilo Mischke schreibt auf, wie es war, als er sich weit weg von allem Zivilisationstrab und -galopp auf eine einsame Insel zurückzog, dort aber auch nicht ohne Musik sein konnte. Oder wollte. Dirk Peitz schreibt über die neueste, sehr junge, stramme, aber auch ziemlich melancholische Variante des amerikanischen Traums, den The Drums aus New York im Angebot haben. Und Harald Peters schreibt fleißig mit, wenn sich eine der wenigen politischen Figuren, die der Pop heute hat – Mathangi „Maya“ Arulpragasam alias M.I.A. nämlich – explizit genau zu diesen Themen äußert. Jörg Rohleder schreibt unterdessen am großen Kylie-Minogue-Alphabet. Es hilft ihm dabei: Kylie Minogue. Und der Flurfunker könnte ja einfach mal einen Zettel schreiben, auf dem steht: „Wenn Sie schon seit vier Wochen nicht über die ersten acht Takte hinausgehopst kommen, könnten sie dann wenigstens die Fenster zumachen!?“ und unter die Eingangstür der Tanzschule durchschieben – aber wäre das nicht ein feiger Anschlag auf die Lebensfreude? Fragt sich der Flurfunker.

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