Geniale Sonderlinge


Zwei wider die Natur: Selten traf ein Plattentitel,“Two Against Nature“in diesem Fall, genauer auf den Punkt. Fände man in einem Lexikon den Eintrag „Sonderlinge, sophisticated“,es stünde zur Illustration ein Bild von Donald Fagen und Walter Becker daneben. Als anno 1967 die Jugend der Welt durch den „Sommer der Liebe“ taumelte, versuchten die beiden damals 19 und 17 Jahre alten New Yorker Jungspunde ihre Vorliebe für Jazz, Beat-Poesie und die Texte Bob Dylans unter einen Hut zu bringen. Ein – angesichts der grassierenden Westcoast-Seligkeit – hinreichend irritierender Name war bald gefunden. Steely Dan wollte man heißen, nach dem gleichnamigen Dildo in William Burroughs‘ Kultroman „The Naked Lunch“. Wer nun freilich Trash und Pulp und Anzüglichkeiten erwartete,sah sich getäuscht. 1972 glänzten Steely Dan auf dem Debütalbum „Can’t Buy AThrill“ mit zehn Pop-Perlen voller urbaner Poesie, darunter die heute noch gern gespielte Hit-Single „Do It Again“. Und wie sie es wieder taten: über „Countdown To Ecstasy“zu ihrem ersten makellosen Meisterwerk „Pretzel Logic“ mit dem Klassiker „Rikki Don’t LoseThat Number“. Da waren Donald Fagen und Walter Becker längst zu den einzigen Konstanten im Steely-Dan-Kosmos geworden und pflegten sich im Studio oder bei seltenen Live-Auftritten mit der ersten Garde der Sessionmusiker-Szene zu umgeben. Kein übler Einfall, wie auf „Katy Lied“ (1975),“The Royal Scam“ (1976),“Aja“ (1977) und „Gaucho“ (1980) trefflich nachzuhören ist. Das war’s dann erst mal. Für 20 Jahre. Nur Solo-Statements (Fagens“The Nightfly“, Beckers „11 Tracks Of Whacks“), eine Live-Platte anno ’95 und periodisch wiederkehrende Reunion-Gerüchte unterbrachen das beredte Schweigen. Und wie das Leben halt so spielt: Hier sind sie wieder- Steely Dan just do it again.