Heinz Rudolf Kunze

Lädt Heinz Rudolf Kunze zu seinem zweiten literarisch musikalischen Programm („Der Golem aus Lemgo“), werden für das reichlich herbeigepilgerte Publikum Sitzplätze bereitgestellt. Denn dort, wo sonst der harte Rave-Beat regiert, herrscht heute gespannte Ruhe. Aus gutem Grund: Kunze hat diesmal keine knalligen Gitarren im Gepäck, sondern skurrile Episoden aus der Heimat, die der Germanist seinen Zuhörern mit verhaltenen Tönen, zum Beispiel aus dem Vibraphon, näherbringen mochte. Doch Kunze, der mit Worten jonglieren kann wie kaum ein anderer im Musikerfach, lullt nicht ein, sondern unterhält auf ganz eigene Weise. Ob er sich nun der Ehefrau annimmt, die mit dem jungen Masseur (er hat einen Latschenkiefer) nächtigt, oder ob er ein Tenniseinzel simuliert, bei dem „eine Vorhand die andere wäscht“: Kunze erweist sich einmal mehr als Mann des Wortes. Daß er dabei manchmal auch in die Peinlichkeitenkiste eines Tom Gerhardt greift („Gibt es noch Mädchen, die des Schreibens kundig wären?“), ist wohl eher als Tribut an das komikwillige Publikum zu verstehen. Doch nicht nur Worte hat H.R.K. in petto, Musik gibt’s obendrein. Zwischen pechschwarzen Rezitationen lassen Kunze und seine beiden Mitstreiter bei lupenreinem Südstaaten-Blues und coolstem Jazz ihre instrumentalen Qualitäten aufblitzen. Da stören zwar die Stuhlreihen, aber schließlich ist man ja nicht gekommen, um zu diesen Tönen abzuhotten.

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