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Review

„House of Cards“-Staffel 6 auf Sky: Kevin Spacey verschwindet nicht einfach

Claire Underwood ist seit 100 Tagen im Amt und Ex-Präsident Frank Underwood seit fast ebenso langer Zeit tot. Die perfekte Ausgangslage, um Hauptdarstellerin Robin Wright zum Abschluss von „House of Cards“, Netflix‘ erster eigener Serie, die Bühne zu geben, die sie verdient hat. Denn bisher glänzte sie vor allem im Doppel mit Kevin Spacey, der fünf Staffeln lang den US-Präsidenten und Mörder Frank Underwood spielte und aufgrund von heftigen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs (inklusive versuchtem Sex mit einem Minderjährigen) von Netflix gefeuert wurde.

Als Spacey Ende 2017 aus der Serie geworfen wurde, waren weite Teil der sechsten und letzten Staffel bereits abgedreht. Man entschied sich dazu, die Folgen noch einmal umzuschreiben und mit nur acht statt 13 Episoden aufzuhören. Nachvollziehbar, denn Netflix wollte Spacey, 59, keine einzige Sekunde mehr zeigen.

Die bis zum Rausschmiss Spaceys letzte Episode erwies sich für die Autoren eigentlich als dankbar: Spaceys Präsident Underwood war nicht mehr Präsident, die von Wright gespielte First Lady stieg zum Staatsoberhaupt der USA auf. Der Showdown zwischen den durchtriebenen Eheleuten hätte demnach zwar für vorzügliches Entertainment in der letzten Staffel getaugt, die Show musste nun aber ohne Spacey weitergehen. Wie wird man die Figur aber am besten los?

„Are you trying to erase him? Because you can’t“ – Doug Stamper

Diese Frage beantwortet nicht nur schon ein Trailer zur finalen Staffel, sondern gleich auch die erste Folge. Spaceys Frank Underwood ist tot, eine Überdosis Medikamente und Herzversagen wird der Öffentlichkeit als Todesursache präsentiert. Die Zuschauer – mittlerweile weiß jeder um die Vorwürfe gegen Spacey – hätten sich wahrscheinlich mit einem Selbstmord der ehemaligen Hauptfigur und anschließendem Totschweigen zufrieden gegeben. Die Autoren tun dies aber nicht und treffen eine fatale Fehlentscheidung.

Claire Underwood deutet es bereits in der ersten neuen Episode an: „So ein Mann verschwindet nicht einfach. Das wäre zu…bequem.“ Es ist ein ambitionierter Ansatz, den „House of Cards“ fortan verfolgt. Um den Tod des geschassten Hauptdarstellers wird ein Murder-Mystery-Plot inszeniert, zugleich soll die Geschichte um die Neu-Präsidentin Claire Underwood ebenso fesseln. Kürzen wir an dieser Stelle ab: Dieser Plan geht nicht auf.

Aus Feminismus wird Populismus

Claire Underwood (l.) mit ihren politischen Gegnern. Einflussreiche Industrielle Sägen an ihrem Stuhl.

Sky


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