Highlight: Platz 3 der „700 besten Songs aller Zeiten“: The Beatles – „A Day In The Life“

Jens Friebe: ‚Tausend geile Sachen‘

 

Erdmöbel „Auf und ab“

Jens Friebe: Ist die Erdmöbel-Version von „Up & Down“ von den Vengaboys? Das höre ich zum ersten Mal.

Der Titelsong deines neuen Albums ABÄNDERN basiert auch auf „Up & Down“.

Ich habe von der Erdmöbel-Version erst erfahren, als meine Platte schon draußen war. Darüber bin ich auch ganz froh, denn hätte ich gewusst, dass das vor mir schon jemand gecovert hat, hätte ich den Song bestimmt nicht aufgenommen.

Ohne den Titelsong wäre doch aber das Konzept deiner Platte auch ein anderes, oder?

Ach, dann hätte ich einfach einen anderen Titel genommen.

Dich ärgert also nicht, dass schon vor dir jemand eine ähnliche Idee hatte?

Wenn Dinge erst mal passiert sind, werden sie auch schnell egal.

Terry Jacks „Seasons In The Sun“

Das spielt ihr, weil es eine übersetzte Zeile aus dem Lied auf meiner Platte gibt?

Genau. „Bye, bye Michelle, es ist so schwer zu sterben, wenn die Vögel wiederkehren“ in „Charles de Gaulle“.

Ursprünglich wollte ich das ganze Lied übersetzen, aber dann erfuhr ich, dass das bereits Klaus Hoffmann gemacht hat. „Adieu Emile“ hieß das, eine weinselige Macker-Liedermacher-Nummer. Dann habe ich meine Pläne angeekelt ruhen lassen. Das Original ist zwar so abgenutzt wie „It’s Raining Men“, aber ich höre es immer durch, wenn es im Radio kommt.

Modern Talking „Atlantis Is Calling (SOS For Love)“

Auch davon gibt es eine Anspielung auf meinem Album: „Atlantis Is Calling: SS Alarm“ in „Verbotene Liebe“. Da habe ich mich vielleicht etwas verrechnet; ich glaubte, dass sei ein Lied, das jeder auf dem Schirm hat. Dass also jeder die Anspielung kapieren könne. Aber von Modern Talking erinnert man sich nur an die Riesenhits, so dass mein Gag wohl nur bedingt kompatibel ist.

Was hat es denn mit dem Gag auf sich?

„Verbotene Liebe“ behandelt schwule Nazimode. Viele Schwule bedienen sich ja rechter Dresscodes. „Atlantis Is Calling“ ist, von seiner Anmutung her, auch ein echt schwules Lied. Dazu dieser Null-Kunstanspruch, dieser unschuldige Ansatz, Kommerz machen zu wollen, dieser expressive Dadaismus – „Atlantis Is Calling“, da würde ich nie drauf kommen.

Gab es denn negative Reaktionen der so genannten Gay Community auf dein Lied?

Nee, die kennen mich ja. Ich bin ja deren Verbündeter.

Christiane Rösinger „Berlin“

Wunderschön. Viele meinen, das sei ein Hasslied. Aber wer das denkt, der weiß nicht, wie es klingt, wenn Christiane hasst. Ich empfinde das Lied eher als Ode. Das Lied trifft zwar nicht ins Schwarze meines Berlin-Gefühls, aber ich mache mir auch nur selten Gedanken über Berlin als Gesamtkonzept.

Sonic Youth „Youth Against Fascism“

Diese Band habe ich viel mit 15, 16 Jahren gehört. Meine Klassenkameraden standen auf Metal und Grunge und hänselten mich deswegen. Sonic Youth haben mich als Künstler allerdings nicht übermäßig beeinflusst, da waren Bands wie The Wedding Present und They Might Be Giants wichtiger.

Die Ärzte „Claudia hat ’nen Schäferhund“ Auch eine Band, von der es heißt, sie hätte dich stark beeinflusst.

Dieser Song jetzt nicht unbedingt, aber ich finde die Band extrem originell. Gerade zu ihren Anfangstagen, dieser Mash-up von Rockabilly und Punk, gemischt mit Texten wie „Teenagerliebe“, die Mädchen wirklich zum Weinen gebracht haben. Allerdings sind spätere Sachen wie „Rock’n’Roll Übermensch“ auch extrem besonders und cool. Eine sehr erfolgreiche, in Sachen kritischer Würdigung aber unterschätzte Band.

Warum wird niemand mit den Ärzten alt? Warum gewinnen die immer nur die jeweils neue Generation Zwölfjähriger für sich?

Das ist deren Strategie. Die überlegen sich eben immer, was Zwölfjährige heute interessiert. Und das machen sie schon sehr gut.

Blumfeld „Laß uns nicht von Sex reden“

(Spricht mit) Klassiker der neuen deutschen Rockgeschichte, wobei sie mir mit ihrer Schlagerplatte am nächsten waren.

Wie wahrscheinlich ist eine Blumfeld-Reunion?

Distelmeyer schätze ich nicht als jemanden ein, der auf Tour geht, nur um die alten Knaller zu spielen. Ich persönlich bin gespannt, wie er seine Solokarriere fortsetzt, ich brauche kein Blumfeld-Comeback.

Justine Electra „Fancy Robots“

Ah, Justine! (Jens’ Telefon klingelt) Vielleicht ist sie das jetzt, wir wollten heute noch zu Ikea fahren (telefoniert kurz, allerdings nicht mit Justine). Ich habe damals bei der Songauswahl für ihre Platte SOFT ROCK geholfen. Das war schwer, weil fast alle Songs so gut waren. Bei ihr Keyboard zu spielen war allerdings hart. Sie ist eine extrem strenge Bandleaderin.

David Bowie „The Laughing Gnome“

Was ist das denn?

Eine frühe Bowie-Single im Stil von „Das Lied der Schlümpfe“.

Erinnert mich an Divine Comedy. Ich steh’ auf so hoch-gepitchte Stimmen, so albernen Schrott. Mit Bowie habe ich mich nie so umfassend wie mit den Beatles oder Elvis Costello beschäftigt, ich weiß aber gar nicht, warum. Der hat tausend geile Sachen gemacht. Allein „HEROES“. Auch vieles von den späteren Sachen, wie HEATHEN, ist großartig.

Hurts „Confide In Me“ – Hurts covern Kylie Minogue.

Viel besser als dieses „Wonderful Life“. Ich sollte für die „Intro“ über Hurts schreiben, aber mir sind die zu aufgeblasen. Grundsätzlich finde ich nichts verkehrt daran, wieder auf so schicke, kalte Wave-Ästhetik zu machen, aber diese Typen finde ich einfach uninteressant.

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