Jewel, München. Strom

„BITTE GAAANZ LEISE SEIN „ermahnt die Dame von der Plattenfirma am Eingang. Wer einen Blick auf die Bühne wirft, versteht dieses Anliegen: Nichts als ein einsamer Mikrophonständer ist darauf zu sehen. Hinter den postiert sich kurz nach 21 Uhr ein zartes Mädel, um den Hals eine Gitarre, die ein bißchen zu groß scheint für dieses zierliche Geschöpf. Jewel Kilcher aus Homer/Alaska, 22 Jahre jung, hat von ihrem Debüt „Pieces Of You“ in den USA mehr als drei Millionen Platten verkauft. Dabei ist das, was Mrs. Kilcher macht, alles andere als spektakulär-aber bei Songschreibern zählt eben auch das Charisma. Und davon hat Mrs. Kilcher trotz ihrer jungen Jahre jede Menge. Jewel hat das mädchenhaft Naive genauso verinnerlicht wie das verrucht Verrauchte. Es ist ihre Stimme, die sofort überzeugt: glasklar selbst noch bei den hohen Tonen, voll und warm dagegen in den tiefen Stimmlagen. Nach knapp einer Stunde gehen die Lichter an — und versonnen öffnet der Konzertbesucher die Augen. Wäre gar nicht nötig gewesen, die Sache mit der Ermahnung. Wer spricht denn schon in seinen wohligsten Träumen?

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