Kino


Merida

von Mark Andrews, Brenda Chapman, USA 2012

*****

Es war einmal … das erste Märchen von Pixar

13 abendfüllende Filme hat Pixar abgewartet, um sich erstmals an die einstige Domäne des Mutterkonzerns zu wagen: Ein Märchen mit einer starken weiblichen Hauptfigur ist „Merida“ geworden, die Geschichte einer schottischen Prinzessin, die gegen den ihr vorgezeichneten Weg als Hausmuttchen rebelliert und auf den Fluch einer Hexe vertraut, die sie der entfremdeten Mutter auf ungewöhnliche Weise wieder näherbringt. Es ist die bislang konventionellste Arbeit der Erfolgsschmiede, aber mit „Schneewittchen“ oder Artverwandtem verbindet dieses düstere Abenteuer weniger als mit dem DreamWorks-Animation-Erfolg „Drachenzähmen leicht gemacht“: Die Geschlechterrollen sind vertauscht, aber Herz und Seele sind auch hier auf dem rechten Fleck. Start: 2. August

The Dark Knight Rises

von Chris Nolan, USA 2012

ohne Bewertung

mit Christian Bale, Anne Hathaway, Tom Hardy

Superhelden, wollt ihr ewig leben: Christopher Nolan beendet seine „Batman“-Trilogie

Nachdem „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ zeigten, was eine Comicverfilmung an Komplexität zu leisten in der Lage ist, bringt Christopher Nolan seine ganz persönliche „Batman“-Saga nun zu Ende. Die Erwartungen sind hoch bei einem, der sich zur Entspannung zwischen zwei „Batman“-Filmen einen verschachtelten Traumthriller gönnt, in dem ganze Städte aufgerollt und zusammengefaltet werden: Bis kurz vor Start ist es der Produktion gelungen, Details und Figuren weitgehend unter Verschluss zu halten. Immerhin: Batman wird nach der Ächtung am Ende von „The Dark Knight“ reaktiviert, weil nur er dem Berserker Bane – pure zerstörerische Körperlichkeit als Gegenentwurf zu dem quirligen Nihilismus des Jokers – Einhalt gebieten kann. Muss man sehen. Oder? Start: 26. Juli

The Rum Diary

von Bruce Robinson, USA 2011

***

mit Johnny Depp, Amber Heard

Depp does Hunter S. Thompson: Trotzdem nicht genug Fear and Loathing in San Juan.

In Terry Gilliams legendärem Bad Trip „Fear and Loathing in Las Vegas“ (1998) hatte Johnny Depp den ebenso legendären Gonzo-Journalisten Hunter S. Thompson zum ersten Mal gespielt. Nun schlüpft er erneut in die Rolle, diesmal am Anfang dessen Karriere, als er Ende der 50er-Jahre New York hinter sich lässt, erste Erfahrungen als Journalist in Puerto Rico sammelt und dabei nicht zu knapp der titelgebenden Flüssigkeit zuspricht. „The Rum Diary“, entstanden nach Vorlage des spät (von Depp in Thompsons Keller) entdeckten Romandebüts des Journalisten, ist ordentlich ausgestattet, brav erzählt und von Bruce Robinson („Jennifer 8“) in seinem ersten Kinofilm seit knapp 20 Jahren sauber inszeniert. Aber das ist nicht genug. Start: 2. August

Ted

von Seth McFarlaine, USA 2012

****

mit Mark Wahlberg, Mila Kunis

Auf den Bären gekommen: Mark Wahlberg will nicht erwachsen werden.

Bromance hat man das Komödiensubgenre getauft, in dem Männer lieber mit Gleichaltrigen abhängen und den Ritualen der Jugend frönen, als der Verantwortung des Lebens ins Auge zu sehen. „Ted“, der erste Spielfilm von „Family Guy“-Schöpfer Seth McFarlaine, treibt die Konstellation auf die Spitze: Hier sind die Brothers Mark Wahlberg und sein wundersam zum Leben erweckter Teddybär, der mit seinem Herrchen groß, aber nicht erwachsen geworden ist. Eine Bearmance also. Muss man sich wie einen dieser schrecklichen Family-Entertainment-Filme wie „Alvin und die Chipmunks“ oder „Die Schlümpfe“ vorstellen, nur eben nicht für Kiddies, sondern mit Witzen für Erwachsene, die unter die Gürtellinie gehen. Und am Ende wartet Mila Kunis auf den Helden. Nicht schlecht. Start: 2. August

Film des Monats

Es war einmal … der Mensch

Prometheus

von Ridley Scott, USA/Großbritannien 2012

*****

mit Noomi Rapace, Michael Fassbender, Charlize Theron

Götterdämmerung und Größenwahn: Ridley Scott kehrt zurück zur Science-Fiction.

Entwarnung vorweg: Keine Spoiler in dieser Besprechung! Aber so viel darf man sagen: Ein vogelwilder Film ist das geworden, die Rückkehr von Sir Ridley Scott zum Science-Fiction-Genre, in das Universum von „Alien“, aber zeitlich angesiedelt vor jenem Film, mit dem der 74-jährige Brite vor 33 Jahren seinen Ruf als begnadetster Schöpfer visueller Welten seiner Generation begründete. Kaum eine Szene vergeht, in der Menschen nicht wieder aufs Neue grenzdebile Dinge tun, die in den meisten Fällen mit unmittelbarem Ableben bestraft werden. In der nicht auf den Kopf gestellt wird, was man gerade eben erst erfahren hat. In der man sich nicht auf die Stirn schlägt vor schierer Verwunderung, was man diesem grandios-absurden Ritt abkaufen soll. Sei’s drum: Es mag meiner bloßen Faulheit geschuldet sein, dass ich dem Filmemacher und seinem dröhnenden Mumpitz nicht den Gnadenschuss geben will: Herr Scott, Sie haben sich versündigt, haben Ihre eigene Schöpfung verraten und verkauft, versprechen Antworten auf die ganz großen Fragen oder zumindest die Suche danach und geben sich doch zufrieden damit, dass es bums! macht. Aber verdammt, wie „Prometheus“ bums! macht, mit welcher Inbrunst und inszenatorischen Fuck-You-Brillanz, das macht süchtig: Versinken will man in dieser unheilvollen, in das Schmettern kakophonischer Posaunen getauchten Welt, die man in ihrem zynischen Abgesang auch als Gegenentwurf sehen kann zur hoffnungsfrohen Ökomessage von „Avatar“, der einzige andere Science-Fiction-Film jüngerer Herkunft, der ähnlich entschlossen in eine völlig neue Welt eingetaucht ist. Wie im vergangenen Jahr der ebenso ambitionierte „The Tree of Life“ arbeitet sich auch „Prometheus“ mit seinen den Menschen überlegenen Robotern und greisen Männern und Fragen nach dem Warum-Weshalb-Wieso an „2001“ ab, dem unerreichbaren schwarzen Monolithen des modernen Kinos. Er scheitert natürlich, weil er scheitern muss, aber das macht Scott in einem Gewitter aus Größenwahn und Götterdämmerung, das grandioser nicht sein könnte: Großes Kino. Große Oper. Start: 9. August