Marteria: Oops, ich war ein Putin-Verteidiger

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Marteria und Campino sitzen bei „Markus Lanz“ und sprechen über die Gegensätze zwischen Ost und West in Deutschland. Eine Art Aufwasch über 30 Jahre nach der Wiedervereinigung.

Aufhänger sind die gemeinsam veröffentlichten Singles „Scheiß Wessis“ und „Scheiß Ossis“, auf denen sich Die Toten Hosen und der MeckPomm-Rapper gegenseitig Befindlichkeiten um die Ohren hauen. „Wir scheiß Ossis versau’n euch den Tag; Scheiß Ossis, wir sind die, die keiner fragt. Wir scheiß Ossis, heut zieh’n wir blank am FKK“, heißt etwa in den Reimen von Marteria. Bei der Pop-und-Politik-Plauderei überrascht er dann mit einer verblüffenden Aussage: „Ich war immer ein Putin-Verteidiger – und habe instinktiv diese Ostseite ein bisschen verteidigt“, sagte der gebürtige Rostocker, der die DDR nur noch in seinen Kindertagen erlebte. Er hätte sich nie vorstellen können, dass das verbale Gepolter des russischen Präsidenten einmal in bittere Realität umschlagen könnte. „Dann ist es halt passiert – und man merkt: Oh Gott, diese Wahnsinnigkeit“.

Die Toten Hosen 2019
Die Toten Hosen 2019

Als wohlwollender Beobachter aus Düsseldorf flankiert ihn Campino mit seiner staatsmännischen Einschätzung: „Ganz egal, ob links oder rechts: Sobald du Autokraten oder Extremisten an der Macht hast, wird es ungemütlich“. Davor müsse sich die Welt schützen – und nicht vor irgendeinem System“, so Campino. Im gleichen Atemzug schreibt er auch „dem Westen“ ins Stammbuch, dass in der jüngeren Vergangenheit auch nicht immer alles astrein gelaufen sei.

Vor diesem Hintergrund lässt sich die Ossi/Wessi-Splitsingle als Diskussionsbeitrag zur Zeitgeschichte verstehen. Ein Wachrüttler, der auch daran erinnert soll, dass die deutsche Wiedervereinigung ohne Blut, Terror, ohne Waffengewalt passiert sei. Gerade aus heutiger Sicht, alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Auch Campino greift später in die Bekenntniskiste. Natürlich hätte er damals Anfang der 1980er den Wehrdienst verweigert. Heute würde er „vielleicht aus dieser Situation heraus anders entscheiden“. Marteria wiederum, der um das Jahr 2000 herum bei der Bundeswehr war, antwortete auf die Frage „Was würdest du machen, wenn Krieg wäre?“ von Talkmaster Markus Lanz: „Ich glaube, ich würde nicht abhauen. Ich glaube, ich würde mich stellen. Für die Freiheit, die man hat und die ich erleben darf“.

JKP

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