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Highlight: Musiker erzählen von den Abenteuern, die sie erlebt haben als die Berliner Mauer fiel

Interview

Nation of Gondwana: Hier wird sich noch gekümmert

„Also das Festival gibt es ja seit 1995“, holt Markus Ossevorth aus, während er eine Zigarette aus dem Softpack schnippst. „Da kamst du ja damals auf die Idee ‚Lass doch mal zur Loveparade was machen.’“ „Nee, das war doch ganz anders!“, fällt ihm André Janizewski ins Wort. „Wir wollten 1994 während der Loveparade auf eine Veranstaltung im Eimer, wo Der Dritte Raum gespielt hat. Und wegen der Millionen von Touristen sind wir nicht auf die Party gekommen.“

Wenn man sich mit André und Markus über ihre gemeinsamen Anfangstage in Berlin unterhält, wirken sie fast wie ein altes Ehepaar. Der eine vervollständigt die Sätze des anderen und widerspricht auch mal vehement, wenn es seiner Meinung nach um die falsche Party im falschen besetzten Haus geht.

Beide kamen Ende der Achtziger in ein Berlin, das die junge Generation nur noch aus nostalgievergessenen Dokus kennt. Ein Berlin, in dem es am Rosenthaler Platz in Mitte noch Szeneclubs gab, der Prenzlauer Berg noch voller autonomer Hausprojekte war und an jeder Wohnungstür ein Zettel mit Stift hing, an dem man vermerken konnte, dass man da gewesen war und wann man vorhatte die Bewohner wiederzutreffen – funktionierende Telefone waren in Ostberlin rar gesät. Wenn man in diesem Berlin nicht am Türsteher vorbeikam, dann startete man eben seine eigene Party. Schließlich war Techno damals als Undergroundbewegung von der heutigen Professionalisierung noch Lichtjahre entfernt.

Ein Kirchenchor singt jedes Jahr zur Eröffnung des Techno-Festivals

Mit Fahrradkarten ausgerüstet begaben sich André und Markus also Mitte der Neunziger auf Erkundungstour ins Berliner Umland und fanden eine Wiese, die nichts zu bieten hatte, außer einem angrenzenden See und toleranten Nachbarn. Das ist trotz späterer Ortswechsel bis heute so geblieben. „Im Gegensatz zur Fusion, mit der wir von Anfang an bis heute eng verbunden sind, gehört uns das Gelände nicht. Wir müssen jedes Jahr alles komplett neu aufbauen“, erklärt Markus. Doch das Verhältnis zum nahegelegenen Dorf Grünefeld ist gut, die Jugendlichen, die mit der Nation of Gondwana aufgewachsen sind, helfen für ein Festivalticket beim Aufbau mit, die freiwillige Feuerwehr betreibt den Grillstand – „die besten Nackensteaks Brandenburgs!“, schwärmt Markus – und der Kirchenchor singt sogar jedes Jahr zur Eröffnung des Festivals. Community wird bei der Nation groß geschrieben.



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