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Neu im Kino: „The Salvation“, das filmische Resultat zu Zach Braffs Crowdfunding-Kampagne und ein James Brown-Biopic

von

Film der Woche:

„The Salvation“

Drama / Western – Dänemark, Regie: Kristian Levring, Darsteller: Mads Mikkelsen, Eva Green, Jeffrey Dean Morgan

Schneller als der Tod: Der beste Western des Jahres kommt aus Dänemark. Ausgerechnet.


Der Western zählt aus naheliegenden Gründen nicht zu den erklärten Vorzeigegenres des dänischen Kinos. Sieht man von einer kurzen Welle alberner Cowboyfilme aus den frühen Siebzigern ab, herrschte in den letzten 100 Jahren weitgehend Ebbe für Geschichten aus dem amerikanischen Grenzland. Kristian Levring, einst mit „The King Is Alive“ einer der strengsten unter den Puristen der Dogma-95-Bewegung, hat also et- was nachzuholen mit seiner hochgradig stilisierten und doch sehr handfesten Rundumverbeugung vor den Vorbildern John Ford, Sergio Leone und Akira Kurosawa. Er lässt sich nicht lumpen. Versatzstücke aus allen erdenklichen Klassikern des Genres seit „Stagecoach“ haben Einlass gefunden in diese Rachefantasie, die so geradlinig erzählt wird, als hätte man die Postkutschenstrecke zwischen Tucson und Laramie mit dem Lineal gezogen. Alles, was Levring sich mit Hilfe seines begnadeten Drehbuchautors, Anders Thomas Jensen („Adams Äpfel“), hat einfallen lassen, hat man schon einmal gesehen. Und doch hat man es eben noch nie so gesehen, weil „The Salvation“ sich zwar auf hinlänglich bekannte Filme wie „Der Fremde ohne Namen“, „Der Texaner“, „Der schwarze Falke“ oder „High Noon“ beruft, deren uramerikanischem Blick auf die Psyche Amerikas aber einen betont dänischen Dreh verpasst. So wirkt der Film auch dann frisch und überraschend, wenn er sich an vermeintlich stereotypischen Situationen abarbeitet. Es geht um den ehemaligen dänischen Soldaten Jon, der im Jahr 1864 aus seiner Heimat flieht und sich an der Frontier eine neue Existenz aufbaut. Als er nach sieben entbehrungsreichen Jahren seine Familie zu sich holt, fallen Frau und Sohn gleich bei der Postkutschenfahrt zum neuen Heim zwei Desperados zum Opfer. An denen rächt sich der wortkarge Mann zwar, bringt damit aber einen besonders grausamen Bandenführer und die feigen Bürger seiner Stadt gegen sich auf. Eingebettet ist die Geschichte in karge Felslandschaften, deren kantige Schroffheit sich auch in den strengen Zügen von Mads Mikkelsen wiederfindet. Bisweilen spürt man die Verwandtschaft zu nordischen Heldensagen, aber vor allem sind es die Filme von Sergio Corbucci, an die man beim Showdown denken muss, wenn der schon besiegte Held sich wie Phönix aus der Asche erhebt und seinen Weg mit Leichen pflastert. (Text von Chris Weiß)

AUßERDEM NEU IN DEN KINOS UND MIT EINEM EIN-SATZ-SCHNELLCHECK AUFGEFÜHRT:

GET ON UP

Bekannte Namen: Viola Davis, Dan Aykroyd

Die Lebensgeschichte von James Brown beinhaltet Gospelchöre, Gefängnisaufenthalte, familiäre Probleme und vor allem jede Menge gute Musik.

Gehen wir rein… um die Höhen und Tiefen des großen Musikers in schönster Hollywood-Manier erleben zu können.

JACK

Bekannte Namen: Sebastian Stielke

Ein zehn Jahre alter Junge muss die Verantwortung für seinen kleinen Bruder übernehmen als seine alleinerziehende Mutter mal wieder aufgrund ihres Partylebens alles andere vernachlässigt.

Gehen wir rein… damit ein klischeefreier Blick auf die Tapferkeit eines Kindes in der Erwachsenwelt gewonnen werden kann.

THE EQUALIZER

Bekannte Namen: Denzel Washington, Chloë Grace Moretz

Als Ex-Superagent kann Robert McCall auch im Ruhestand kein Abstand von seinem durchaus brutalen Gerechtigkeitssinn nehmen und so ist schon bald die Russenmafia hinter ihm her.

Gehen wir rein… falls uns der Sinn nach geradliniger Action à la „96 Hours“ und „R.E.D.“ steht.

THE RIOT CLUB

Bekannte Namen: Sam Claflin, Natalie Dormer

Die Mitglieder des exklusiven Riot Clubs an der University of Oxford sind zu allen Schandtaten bereit – bis sie schließlich die Grenzen maßlos überschreiten.

Gehen wir rein… wenn wir eine junge Darsteller-Riege in größter Spiellaune ganz nah miterleben wollen.

WISH I WAS HERE

Bekannte Namen: Zach Braff, Kate Hudson, Mandy Patinkin

Ein erfolgloser Schauspieler, Mitte 30, mit zwei Kindern und einer Frau an seiner Seite sucht den wirklichen Sinn in seinem Leben.

Gehen wir rein… um zu sehen, in welche Richtung sich Regisseur und Hauptdarsteller Zach Braff nach dem 2004er „Garden State“ entwickelt hat.


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