Places, Strange and Quiet: Wim Wenders stellt aus

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„Sonderbar ruhige Orte oder auf ruhige Art sonderbare Orte“ gibt Wim Wenders an zu suchen. Und wenn er sie findet, hält er sie fest. Eine verlassene Tankstelle in Armenien, von der der Putz bröckelt und an der nichts mehr an einen bevölkerten Ort erinnert. Einzig das Schild auf dem Dach, das von „Petrol“ verkündigt. Ein Riesenrad auf einer Wiese im Nirgendwo. Nur Berge, sattgrünes Gras und ein Häuschen zum Kassieren. Kein Mensch. Und auch keine Aussicht. Ein einsamer Wolf, der mit einem zurückgelassenen Fahrzeug in der amerikanischen Wüste eine seltsam erhabene Verbindung eingeht.

Diese und knapp 60 weitere verlassene Orte, die Wenders als Regisseur und Künstler im amerikanischen Westen, in Ostdeutschland, Australien, Südamerika, Südostasien, Armenien, Italien oder Japan abseits der Zivilisation entdeckte, sind noch bis Mitte August in der Hamburger Sammlung Falckenberg unter dem Titel „Places, Strange and Quiet“ zu sehen.

Seltsam bekannt kommen sie einem vor. Dabei hat man die meisten sicher noch nie besucht. Auch Wenders stolperte schließlich nur zufällig über sie:  „Wenn man viel unterwegs ist,“ schreibt er, „wenn man gern umherstreift, um sich zu verlieren, kann man an den merkwürdigsten Orten landen.“ Menschen gibt es hier fast nie, und wenn, tauchen sie vor seiner Kamera nur mit dem Rücken zum Betrachter auf. Oder als winziger Punkt. Nie fordern sie den Betrachter heraus, sondern sind immer eine einzelne Koordinate im Wechselspiel zwischen Zivilisation, deren Auswüchsen und einer erhabenen Natur.

Allen gemeinsam ist, dass sie hinterlassen wurden. Und nach Wenders deshalb „das Bedürfnis in sich tragen, erzählt, festgehalten und weitergezeigt zu werden.“ Fotografie als Mittel gegen den Erinnerungsverlust und das Vergessen. Fast wie in seinen Filmen also.

„Places, Strange and Quiet“ kann man nur im Zuge einer Führung durch die Sammlung sehen. Termine gibt es unter: www.sammlung-falckenberg.de/besuch


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