Portishead: Portishead live in Concert

München, Colosseum.

Eine schwitzende, johlende Menschenmenge füllt das ausverkaufte Colosseum bis in die letzte Nische. Immer wieder schwillt fordernder Jubel an. Nein, es steht kein Konzert einer Stadionrock-Combo an. Es ist nur so, daß mit dem Erfolg von Portishead die Zeiten von rauchig-intimer Clubatmosphäre bei Konzerten der Bristoler Geschichte sind. Willkommen im TripHop-Palast! Die Menge bebt. Aber zunächst heißt es warten, einen etwas planlosen, holprigen DJ-Set von Portishead-Scratcher Andy Smith über sich ergehen lassen, bis endlich die Band auf der von wunderschönem Licht durchfluteten Bühne erscheint. Mit sechsköpfigem Aufgebot füllt sie den großgesteckten Rahmen von Anfang an souverän aus. Enttäuschten Portisheads erste Deutschlandauftritte 1995 noch bisweilen durch nicht gerade dichten Sound und quietschig-eintönige Scratch-Eskapaden, besticht man heute mit klanglicher Fülle und Vielfalt. Vor allem Adrian Utleys Gitarre setzt aufregende Akzente, wenn sie in bester Morricone-Tradition immer wieder mit dramatisch twangenden Läufen durch Geoff Barrows atmosphärisch wabernde Loops und Sampleschwaden schneidet. Und dann ist da natürlich Beth Gibbons, wie gewohnt Blickfang vor den musizierenden Herren. Sie hat aufgehört zu rauchen, was zwar der Optik etwas Abbruch tut, dafür ist sie gelöster Stimmung, erweitert ihre angestammte Rolle der britisch kühlen, leidenden Chanteuse um eine überraschende Rock-Chick-Komponente: Sie grinst, greift sich für einen Song gar eine Gitarre. Nach dem Set geht Beth als letzte, fast widerwillig von der Bühne, weil sie noch damit beschäftigt ist, ins Publikum zu grüßen. Nach der Zugabe hüpft sie gar in den Fotografengraben, um die erste Reihe abzuklatschen. Willkommen im TripHop-Palast…

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