Puritanisch und politisch korrekt: Rage Against The Machine


MÜNCHEN. Fast hätte man meinen können, selbst München besäße so etwas wie eine jugendliche Subkultur. Die größte aller Hallen im Vergnügungszentrum München-Riem war jedenfalls zum Bersten voll, dreadgelockte Jung-Revoluzzer weglagerten an allen Zufahrten, um für den Glaubwürdigkeits-Event des Jahres noch ein Ticket zu ergattern. Für heranwachsende Verweigerer war der Abend ein Pflichttermin, denn Rage Against The Machine kombinieren gnadenlos alles, was das Herz zum Widerstand begehrt: politische Radikalität und rudimentär einfache, harte Musik zwischen Hardcore und Rap.

Live ist die Musik der Aufrührer aus LA genau das. was ihr ohnehin sehr direkt klingendes Debüt-Album verspricht: bloßgelegte Energie, karge Kraftakkorde und gerappte Poütparolen, die ohne Umwege ins Hirn der Zuhörer knallen. Keine Zeit für Zwischentone, zumindest solange nicht, bis Sänger Zach De La Rocha zu driftenden Gitarrentönen ein Kampfgedicht aus der Feder Allen Ginsbergs rezitiert und danach eine kleine Ansprache über unsere faschistoide Welt hält. Ohne „message“ sei ihre Musik nichts wert, haben RATM immer wieder betont, doch die kommt bei ihren Zuhörern nur in relativ reduzierter Form an. Als De La Rocha sein Mikrofon freigibt, um das Publikum über eigene Negativerfahrungen im politischen Alltagsleben berichten zu lassen, haben die Stagediver der ersten Reihe nichts anderes zu vermelden als „Nazis raus!“, und in den hinteren Rängen wundert man sich: Ja, sind wir denn hier bei einer Demo, oder was?“

Doch der gemeinsame Konsens ist schnell wiedergefunden: Bei dem Kampf-Hit „Killing In The Name“ tobt die Halle den Refrain geschlossen im Chor: „Fuck you, I won’t do what you lold me. “ Der Satz wäre von Seiten der Band zumindest in einer Hinsicht nicht mehr nötig gewesen: Nach eineinhalb Stunden kollektivem Aggressionsabbau bleibt dem Publikum gar nicht mehr die Kraft, vehement nach einer Zugabe zu verlangen. Erschöpft aber zufrieden zieht man von dannen. Ganz wie bei einer Demo: Hauptsache, man war dabei.