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Aimee Mann Mental Illness


SuperEgo/Membran/Sony

Jetzt erst recht, dachte sich Aimee Mann: Ihr findet mich traurig, kriegt ihr eben eine Depriplatte. So lässt sich die Geschichte zum neuen Album der US-amerikanischen Songschreiberin erzählen. Genervt vom Image der depressiven Torch-Song-Chanteuse, wollte Mann die ihr angedichteten Klischees konsequent zu Ende denken – und räumte für MENTAL ILLNESS die Verstärker in den Keller, den Schemel vors Klavier und holte Streicher in ihr Repertoire. Zartheit als Fuck You!

Radikal klingt das nicht, dafür wie eine späte, unaufgeregte Fortsetzung ewig schöner Alben wie BACHELOR NO. 2 von 2000. Eine Nachhilfestunde für alle Banausen, die zwischen Traurigkeit und Melancholie nicht unterscheiden können, ist die Platte obendrein. Denn Mann war nie Schwarzmalerin, sondern immer die Freundin, die keine blöden Fragen stellt. Die stattdessen Kaffee macht, weil das Leben schließlich weitergehen muss.

Weisheit, die nie altklug wirkt, Schwermut, die nicht in Larmoyanz kippt: Das sind ihre Qualitäten, auf MENTAL ILLNESS umgesetzt in wehmütigen, recht konventionellen Songwriterballaden. Aber nun, würde Aimee Mann wohl sagen, ihr wolltet es ja so.

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