Anderson East Maybe We Never Die


Elektra/Warner (VÖ: 20.8.)

von

„You and I live forever“: Anderson East schreit’s raus, garniert’s mit seidenen Uuh-Uuhs, mit Streichern, mit einem leicht synkopierten Beat und einer Hammond-Orgel, die das Lied beendet, als würden vier schwarz befrackte Totengräber einen Sarg in den Ofen schieben: Schon der Titelsong macht klar, wo der Mann aus Athens, Alabama, hin möchte: Mitten hinein ins Gefühl der maximalen Dringlichkeit, mitten hinein ins Wissen, dass das, was man da anstellt, Tiefe und Relevanz besitzt.

🛒  MAYBE WE NEVER DIE bei Amazon.de kaufen

Das ist nicht ungefährlich: Schwere neigt dazu, einen zu erdrücken. Aber: East pumpt genug Ambivalenzen rein, legt einen Song wie „Drugs“ so an, dass er zwar einerseits Resignation über die Gesamtsituation („Everybody’s on drugs“) ausstrahlt, gleichzeitig aber so einen Funk besitzt, Querflöten-Soli inklusive, dass man dazu im Seidenhemd um den Block tanzen möchte.

Vielleicht macht das diese Platte aus: Der Songwriter stellt seine Spielfiguren in alle Ecken des Brettes, mischt nicht nur Funk, sondern auch jenen Nashville-Sound, dem er entstammt, in seine Songs; erlaubt in „Hood Of My Car“ sogar Dub-Patterns. Am Ende, in „Interstellar Outer Space“, singt er mit seiner Stimme, die ziemlich nah an der seines Freundes Chris Stapleton ist: „Take me to heaven, I don’t wanna wait.“ Das mit dem ewigen Leben, es ist kompliziert.


ÄHNLICHE KRITIKEN

James Vincent McMorrow :: Grapefruit Season

Der irische Singer/Songwriter hat sich in den ungewohnt bunten Klamottenfundus verirrt.

Mimsy :: Ormeology

Schwelgerisch melancholische Indietronica von Jörg Follert, der mal Wechsel Garland war.

Trümmer :: Früher war gestern

Indie-Rock, der selbst die Tauben zum Singen bringt.


ÄHNLICHE ARTIKEL

Sexualität und Rassismus: Wie rückständig ist „Bridgerton“ wirklich?

Warum bedient sich eine Serie wie „Bridgerton“ einem progressiven Narrativ, um es dann aber nicht konsequent umzusetzen? Eine Analyse.

Dünne Höhenluft, noch dünnere Handlung: Die Serie „Into The Night“ auf Netflix

Fasten your seatbelts: In „Into The Night“, der ersten Netflix-Serie aus Belgien, fliegt eine Passagiermaschine durch die Dunkelheit. Einziges Ziel: dem Tod durch Sonneneinstrahlung zu entgehen. Das absurde Endzeitszenario wird leider holprig erzählt und verliert sturzflugartig an Spannung. Auch eine gute Besetzung rettet das Sci-Fi-Thrillerdrama nicht vor der Bruchlandung.

„Paardiologie“: Intimer Seelen-Strip mit therapeutischer Wirkung

Ein Podcast über Liebe, Sex, komplexe Gefühlswelten und kleine Geheimnisse – klingt erst einmal nicht nach einem besonderen Alleinstellungsmerkmal. Aber „Paardiologie“ mit Charlotte Roche und ihrem Mann Martin Keß ist anders. Besser. Und intimer als alles, was Ihr bisher von fremden Menschen gehört habt. 


Joy Denalane auf Tour 2022 – hier die Termine und Tickets
Weiterlesen