Bill Callahan
MY DAYS OF 58
Drag City/Indigo (VÖ: 27.2.)
Zeitloser Folk und behutsam orchestrierte Americana nehmen einen dahin mit, wo es weh tut.
Die Musik von Bill Callahan ist von einer tiefen Ruhe beseelt. Und das von Anfang an, seit seinen frühen Lo-Fi-Tagen unter dem Namen Smog, auch wenn es damals hin und wieder noch gescheppert hat. Auf den Alben, die Callahan unter seinem bürgerlichen Namen veröffentlicht, gibt es nun Bläser, Schlagzeug und allerlei sonstige Instrumente, auch mal einen Duettgesang. MY DAYS OF 58 schließt an die autobiografischen Erzählungen des Comeback-Albums SHEPHERD IN A SHEEPSKIN VEST von 2019 an.
Es geht um das Leben in der Familie, um die Kinder, um den verstorbenen Vater. Das schmerzt, und die Spannung, die diese Musik trägt, entsteht durch die Gleichzeitigkeit des Deprimierenden und Verletzenden, von dem abgeklärt gesungen wird: „When I was thirty / You said you got by without a father / So you figured why should I have one / Okay okay / It made me wonder though / Can you get by without a son.“ Callahan nimmt einen dorthin mit, wo es wehtut, aber die Kontemplation, die diese sorgfältig und achtsam orchestrierte Americana-Musik trägt, lässt das Ganze nicht zur Selbstzerfleischung werden.
Auf MY DAYS OF 58 feiert Callahan, kürzlich von einer Krebserkrankung genesen, die eigene Welt in all ihrer Brüchigkeit. Ein wunderschönes Album, das vom Leben erzählt, ohne etwas zu beschönigen oder zu dramatisieren.
Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.



