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Blood Orange Cupid Deluxe


Domino/Good To Go

Schaut man sich das im Palmenparadies Guyana aufgenommene Video zu der ätherischen Soul-Nummer „Chamakay“ an, fällt es wirklich schwer, zu glauben, dass Devonté Hynes bis vor sieben Jahren – noch als Teenager – Mitglied der anstrengenden Garage-Punk-Band Test Icicles war. Auch die Abenteuer an der Klampfe als Akustik-Folker Lightspeed Champion in den Folgejahren waren eher so mittel. Es herrscht der Konsens, dass es eine gute Entscheidung von Hynes war, die Basecap falsch herum aufzusetzen, jede Menge Prince zu hören und sich von nun an Blood Orange zu nennen. Dieser bewusst cheesy, groovende Funk-Pop für Leute, die das Schlafzimmer selten verlassen, wird von niemandem besser in Szene gesetzt. Nach seinem Debüt COASTAL GROOVES lieh er seine Produktionsskills zunächst anderen Musikern und schneiderte ihnen jeweils das Highlight ihrer Diskografie auf den zumeist weiblichen Leib. Da wäre die schmachtende Schulmädchen- Romanze „Everything Is Embarrassing“ von Model-goes-Singer Sky Ferreira, die letzte EP von Beyoncé-Schwester Solange Knowles, die Comeback-Single „Flatline“ der alten/ neuen Sugababes und der ganz große Kniff : „The Way“, diese überkandidelte, im Nebel versinkende Powerballade der umgekrempelten Friends aus Brooklyn um Samantha Urbani.
Das bereits angesprochene „Chamakay“ beginnt mit warmen, karibisch angehauchten Tönen, dann folgt „You’re Not Good Enough“ – ein weiterer Anlass für Vergleiche mit Prince und für elementare Fragen: Bleibt eher dieser riesige Ohrwurm im, nun ja, Ohr, oder der Groove in den Hüften hängen? Der komprimierte 80s- Beat, die Funk-Gitarren, das schamlose Saxofon und der halb gehauchte, halb gesprochene Text erheben „Uncle Ace“ in den Status eines musikalischen Highlights. „You have reason to think I’m just what you need“, singt Hynes im Refrain und hat damit sehr recht. Mit „No Right Thing“ und Dirty-Projectors-Sänger Dave Longstreth wird die Gästeliste eröffnet. Dessen Stimme klang nie so sehr nach Curtis Mayfield wie in diesem Song. Für „It Is What It Is“ springt erstmals Samantha Urbani ein, die mit ihrem Gesang an Zeiten in den 90er-Jahren erinnert, in denen man Janet-Jackson-Videos auf VIVA noch für ein Ereignis hielt.
Der Slow-Burner „Chosen“, begleitet von Saxofonen, die dem Soundtrack eines alten Detektiv- Filmes entnommen zu sein scheinen, ist ein Song für die ganz lasziven Momente, wenn der Bademantel mal etwas lockerer sitzt und die Fernbedienung für die Nebelmaschine wieder aufgetaucht ist. Neben einem Feature des Beat-Produzenten Clams Casino sind die Rapper Despot und Skepta die vielleicht ungewöhnlichsten Gäste auf CUPID DELUXE, ergänzen die Platte aber mit „Clipped On“ um einen HipHop-Song, der selige Tage mit den alten Platten der Sons Of Mischief in das Gedächtnis ruft. „Always Let U Down“, der Albumrausschmeißer, ist ein Cover der 90er-Brit-Popper Mansun, von deren Stil Dev Hynes in seiner Version allerdings nichts übrig lässt. In „Time Will Tell“ zitiert er sich dann selbst, indem er mit der Textzeile „Come into my bedroom“ den alten Song „Champagne Coast“ herbeibeschwört. Es ist beeindruckend, wie sehr Blood Orange mit dem spielt, was er kennt und liebt, wie sehr er sein Verständnis von selbstverständlicher Coolness, von Groove, Liebe und Musikgeschichte in seinen Songs zusammenbringt und sich vor allem als einer der besten Produzenten unserer Zeit zeigt. So ein Ding wie CUPID DELUXE geht dann auch schon mal als Album des Jahres durch.


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