Bonobo Fragments


Ninja Tune/GoodToGo (VÖ: 14.1.)

von

Die beiden nächsten Verwandten des Menschen sind Schimpansen und Bonobos – wobei Schimpansen ihre Konflikte vorzugsweise mit Haudrauf lösen − und Bonobos mit Sex und Kuscheln. In welchem Lager Simon Green mitspielt, sieht man an seinem Künstlernamen. Bonobo, der Multiinstrumentalist aus Leeds, Jahrgang 1976, wird (das mag zum Kuscheln passen) für seinen Downbeat-Electro gefeiert. Für seine letzte Tour zum Album MIGRATION (2017) hat Bonobo zwei Millionen Tickets verkauft. Wow. WTF. Davon können die meisten anderen Kuschler (außer vielleicht Céline Dion) nur träumen. Andererseits war das vielleicht schon immer ein Missverständnis, gewissermaßen.

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Bei Bonobo sollte man, wenn man Downbeat sagt, den Akzent nicht auf „down“, sondern auf „beat“ legen, denn er hat den Beat, hat den Groove intus. Da passt es ganz wunderbar, dass er seinen Label-Buddy Jordan Rakei (dessen formidables 2021er Album nur deshalb unter dem Radar blieb, weil alle Tomaten auf den Ohren hatten) auf dem sich groovy in die Lenden schmiegenden Vocal-House-Track „Shadows“ mit am Start hat.

„Tides“ mit Jamila Woods, einer der besten R’n’B-Sängerinnen des Planeten, macht dann wahrlich der Down-Komponente alle Ehren. Sie gönnen uns den slow song, ach, ist das schön, einschließlich der filmisch dissonant ausklingenden Streicher gen Ende. Und auch in Uptempo-Nummern („Closer“, „Age Of Phase“, „Sapien“) zeigt Bonobo: Electro meint bei ihm nicht wüste Ellenbogen, sondern warmen Engtanz. Bonobo, c’est bon. Très bon.


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