David Bowie

Stage

EMI

Längst war sie angekündigt jetzt erst hat David Bowie sie freigegeben: die Doppel-Live-LP mit Mitschnitten von Auftritten während seiner Welttournee. Die Konzerte, die er in Deutschland gab, sind noch in bester Erinnerung. Es war lange her, daß ein etablierter Act eine derartige Stimmung im Publikum verursachte. Aufgeputscht standen die Fans auf den Stühlen. Wann hatte das kalte Hamburger Congress Centrum so gekocht? Leider kommt auf der LP von dieser aufgeheizten Atmosphäre überhaupt nichts ‚rüber. Wenn ich sauber herausgefilterte Songs haben will, kaufe ich mir einen Best-Of-Sampler und kein Live-Album. Bowie und sein Produzent Tony Visconti (der die Titel auch mischte) hätten ruhig etwas mehr Begeisterung festhalten sollen.

Warum hat Bowie nicht die Reihenfolge der Songs beibehalten, die seine Konzerte mit geradezu optimaler Dramturgie steuerte? Elektronik und Songs seiner differenzierten Entwicklungsphasen hatte er auf der Bühne so geschickt gemischt, daß das Programm abwechslungsreich und voller Spannung war. Aber hier finden sich auf einer Schallplattenseite drei elektronische Titel („Warszawa“, „Art Decade“, „Sense Of Doubt“), die er vielleicht besser verteilt hätte. Bowie hat für diese Doppel-LP seine Songs chronologisch festgehalten: von „Ziggy Stardust“ und „Five Years“ über „Station To Station“, „Farne“, „TVC 15“, die elektronischen Nummern bis hin zu aktuellen Titeln wie „Heroes“ oder „Beauty & The Beast“.

Technisch besehen ist das Album dagegen okay, was man allerdings auch voraussetzen sollte, wenn zwei Profis von diesem Kaliber am Werke sind. Diese Doppel-LP ist mit Sicherheit ein Dokument für die Qualitäten David Bowies und seiner hervorragenden Band: Carlos Alomar (rg), Adrian Belew (lg), Dennis Davis (dr, perc), Simon House (viol.), Sean Mayes (p), George Murray (bg) und Roger Powell (keyb, synth). Aber sie dokumentiert nichts vom gegenseitigen Feedback. Oder wäre das zuviel verlangt?