Dua Saleh – „OF EARTH & WIRES“: Weltmusik, poliert bis zur Bühnenreife
Mit Hilfe von Bon Iver und trotz Technologiekritik steuert die Pop-Musikerin die großen Bühnen an.
Da muss schon eine ganze Menge Begeisterung im Raum sein, damit man nicht nur ein Feature zusammen macht und auf sein Album packt, sondern gleich drei. So scheint es jedenfalls bei Justin Vernon aka Bon Iver und Dua Saleh gewesen zu sein. Gleich drei gemeinsame Songs sind Of Earth & Wires. Dua wer? Saleh ist im Sudan geboren, in Minneapolis aufgewachsen und mittlerweile in Los Angeles zu Hause. Aus Poetry an Open-Mic-Nights wurde ab circa 2017 immer ernsthafter auch Musik.
Und die ist ein Mix aus unterschiedlichsten Welten: die sudanesische Musik, mit der Saleh aufgewachsen ist, klassischer Jazz, Golden Era-HipHop aus den 1990ern, queere Clubmusik und poppiger R’n’B. Und all diese Einflüsse kann man beim zweiten Album nach dem Konzeptwerk I Should Call Them (2024) auch mal mehr und mal weniger heraushören, vor allem ihre Liebe zu großen Popgesten (wie etwa in „I Do, I Do“).
Thematisch setzt sich Dua Saleh, wie der Albumtitel schon andeutet, mit den Schattenseiten technologischen Fortschritts auseinander, mit Identitätsfragen, mit Trauma („Firestorm“ über die Brände in L.A. mit Bon Iver und dem Trans Chorus of Los Angeles) und Trost („All Is Love“). Wenn es eine Kritik an Of Earth & Wires gibt, dann höchstens, dass es fast ein wenig zu glattpoliert wirken kann. Die ganz großen Bühnen sollten in einer gerechten Welt aber alle Dua Saleh gehören.