Engin
SAG MIR ALMANYA
Engin/Recordjet (VÖ: 13.3.)
Im Anadolu-Indie-Rock finden zwei Kulturen zueinander.
In einem Song lässt er Kraniche fliegen, in einem anderen sieht er, wie sich der Müll vorm Discounter stapelt. Hier fließen die Tage wie Honig, dort fragt er, ob Probleme wirklich dornige Chancen sind. Mal singt Engin Devekiran türkisch, mal singt er deutsch. Auf dem dritten Album der Band, die seinen Vornamen trägt, findet Devekiran ganz selbstverständlich zu einer Position, in der er die beiden Kulturen, mit denen er aufgewachsen ist, miteinander versöhnt.
Nach dem Debüt NACHT (2023), auf dem die Musik noch eindeutig Indie-Rock und die Sprache noch nahezu ausschließlich Deutsch war, und dem Coveralbum MESAFELER (2024), auf dem Engin türkische Traditionals und Pop-Klassiker neu interpretierten, wechseln sich nun auf SAG MIR ALMANYA nicht nur die Sprachen gleichberechtigt ab, mitunter sogar in ein und demselben Song, sondern das Trio aus Mannheim erweitert seinen Sound auch ganz organisch mit türkischen Einflüssen. Tief tauchen die drei ab in den psychedelischen Anadolu-Rock, der in den 70er-Jahren seine Ideen zum Teil auch aus dem westdeutschen Krautrock bezog, geschickt empfinden sie den Türk-Chanson nach.
So gesehen schließt sich mit SAG MIR ALMANYA ein Kreis – endlich. Die Fusion, die Engin hier gelingt, ist dermaßen folgerichtig, dass die Tatsache, dass sie erst jetzt vollzogen wurde, 65 Jahre nachdem die ersten, damals noch sogenannten Gastarbeiter aus der Türkei in Deutschland ankamen, mehr erzählt über die absurde Verweigerungshaltung dieses Landes, als es jeder Song könnte. Dass die Songs von Engin Devekiran auch noch ziemlich großartig sind, ist eine schöne Dreingabe.



