Evanescence – SANCTUARY: Kitsch mit Kalkül
Gothic Rock forever.
Auf Evanescence einzuschlagen wäre zu einfach – denn irgendwie habe ich doch Respekt für diese Band, die ihren Stärken verlässlich treu bleibt. Da wäre das vielleicht stumpfe, aber stilvollendet ausgeführte Pop-Metal-Gewitter, die elektronischen Elemente aus der Nu-Metal-Mottenkiste (auch wenn die Band mit dem Stempel nie etwas anfangen konnte), die jetzt wieder zeitgeistig sind (man denke nur an Poppy, Spiritbox, Babymetal und Co!), orchestrale Arrangements, und nicht zuletzt: die opernhafte Stimme von Vokalistin Amy Lee.
Und genau diese Mischung setzt sie auch auf SANCTUARY, ihrem sechsten Album um. Große Gefühle treffen auf großen Krach, inspiriert von, nun ja, der politischen Situation in ihrem Heimatland USA. Dabei balancieren Evanescence auf einem schmalen Grat: sie wollen keine politischen Statements machen, sehen sich nicht als politische Stimme – aber stumm bleiben geht nicht. Also entstehen Songs wie „Who Will You Follow“, die man als Kommentar auf die Gegenwart lesen kann – oder eben ganz anders.
Sind Evanescence eine Band, die mit ausgeklügelten Soundideen besticht? Nein, bestimmt nicht. Aber irgendwer muss die kitschig-cinematischen Stadionhymnen liefern, und dann doch am liebsten Amy Lee.