Görl – „DARK SILVER MOON LIGHT“: DAF-DNA, neu verdrahtet
Mit Sylvie Marks schenkt Robert Görl dem Elektropunk-Aufbruch von DAF eine Wiedergeburt.
Wenn Robert Görl im Titelsong von DARK SILVER MOON LIGHT die Frage stellt, ob es ihm möglich sei, zu ihr zu gehen, dann überschreitet er die Grenzen der physischen Erfahrung, denn die angesprochene „sie“ verschwindet wie der Mond im See und ward fortan nicht mehr gesehen. Traum, Illusion, Fata Morgana? Angeregt durch ein gemeinsames Vollmond-Erlebnis verbündet sich der Drummer/Sänger Görl auf diesem Album mit der DJ/Produzentin Sylvie Marks zu einem Grenzgang zwischen den Verwerfungen der Wirklichkeit und dem Thrill des Surrealen: Im Schatten des goldschimmernden Sees operiert das Duo im Zustand herausfordernder Vitalität.
Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: DARK SILVER MOON LIGHT ist kein Romantik-Workshop für Techno-Oldies geworden. In den zehn Songs des Albums entwickeln die beiden Musiker:innen vielmehr einen Sound des Aufbruchs, der sich strukturell und lyrisch dezidiert auf die Ära des Elektropunk beruft, die Görl mit Gabi Delgado-López als DAF so entscheidend mitbestimmte. „Bitte bleib bei mir. Jetzt ist irgendwann, irgendwann ist jetzt.“ Zur Album-Eröffnung ein im Wummern des Synthie-Basses festgezurrter Treiber von einem Song, der ein Yes, we can im Hier und Jetzt formuliert.
„Ich möchte alles, alles, so wie du bist.“ Die minimalistische Klangdusche, heißkalt, arschklar. „Der falsche Ton ist der richtige Ton, das ist der Ton, der mir gefällt.“ Dass es den falschen Ton gar nicht geben darf, hatten DAF schon postuliert, Görl und Marks marschieren 2026 mit schweren Stiefeln über historisches Gelände, eine Liebeserklärung an Punk-Basics. Im Track „Spiel mit mir“ gelingt das den Görlies noch eindrucksvoller. Zum Finale eine knisternd-knackende Elektroballade namens „Es ist nie zu spät“, in der das Licht eine Rolle spielt, fast so wie am Vollmondsee. Wo die Traumfrau des Titelsongs geblieben ist, weiß auch jetzt noch keiner.