Jacob Brodovsky – TELL THE KIDS WE TRIED: Vaterschaft als Klimagewissen
Der kanadische Singer/Songwriter stellt die allergrößte Frage.
Über das, was Amerika groß gemacht hat, dominieren aktuell ja – gelinde gesagt – schräge Vorstellungen. Dass Amerika aber mal in Songs von Tom Petty oder Bruce Springsteen durchbuchstabiert wurde, dass Amerika in den Liedern von Tim Buckley oder Townes Van Zandt nach seiner Seele suchte, daran erinnert einen gern Jacob Brodovsky. Der kommt, wie viele der besten Amerikaerklärer, nicht aus den USA, sondern wie Neil Young, Leonard Cohen, Joni Mitchell oder Gordon Lightfoot aus Kanada.
Ihn mit diesen Landsleuten in eine Reihe zu stellen, lädt Brodovsky zwar zu viel Verantwortung auf die Schultern. Die spürt er schon selbst, indem er ausgehend von seiner eigenen Geschichte auf seinem zweiten Album die womöglich allergrößte Frage dieser Zeit stellt: Welche Welt wollen wir unseren Kindern hinterlassen? Die Songs von TELL THE KIDS WE TRIED kreisen um die Themen Vaterschaft und Verantwortung, Angst vor dem Klimawandel und der Sorge, was bloß aus dem Nachwuchs werden soll in einer Zeit, in der alle mit dem Rauchen aufhören, sich aber trotzdem einen neuen SUV meinen kaufen zu müssen.
Warm wie eine Umarmung ist der Sound, nachgerade klassisch, manche Songs sind episch wie „Colorado Low“, andere wie „Beneath It All“ Hits in einer besseren Welt, die es noch zu bauen gilt. Aber noch „welken die Blumen und trocknen die Seen aus“, stellt Brodovsky im beunruhigt pulsierenden Titelsong „Kids“ fest, noch muss man hoffen, dass sich Amerika wieder seiner wahren Größe erinnert.