Jake Muir – „PAREIDOLIA“: Metal als Ambient-Rohstoff

Kein Klangschlafmittel, denn ­Metal-Ambient kann so wundervoll grässlich sein.

Ambient ist zum Self-Care- und Selbstoptimierungs-Soundtrack verkommen, was nur konsequent scheint: Brian Eno hatte die Musik als auditive Wandtapete für Flughäfen erdacht. Jake Muir deutet Ambient um, indem er dessen Klangquellen woanders sucht – in Schwulensaunas oder Surf-Rock etwa. Für PAREIDOLIA sampelt er sich nun durch Death- und Black-Metal-Platten.

In bester Illbient-Manier zerkocht er Gitarren-Licks und Growls zu sämigen Klangtexturen, die von allerhand Soundeffekten kontrastiert werden. Hier scheinen Kirchenglocken zu läuten wie einst bei den Genre-Vordenkern Black Sabbath, dort knistert es wie in der Tonspur eines psychologischen Horrorfilms.

Und obwohl Muir hin und wieder lichte Momente schafft und die Musik auf Tracks wie „Celestial Visions“ stellenweise beruhigend-schön klingt: Allein die immer wieder auftauchenden, zerhäckselten und entkörperten Stimmfetzen machen aus diesem Album das Gegenteil eines Klangschlafmittels für die Nachfeierabendzeit. Ambient kann so wunderbar grässlich sein.

Deine Datensicherheit bei der Nutzung der Teilen-Funktion
Um diesen Artikel oder andere Inhalte über Soziale-Netzwerke zu teilen, brauchen wir deine Zustimmung für