Jana Horn

JANA HORN

No Quarter!/Cargo (VÖ: 16.1.)

Die Songs der Singer/Songwriterin kommen im zart zitternden texanischen Gras zum Stillstand.

Wer mal durch Texas gereist ist, mit dem Automobil die endlosen Kuhweiden, die nicht umsonst auch Graswüste heißen, durchpflügt hat, der weiß, was Ödnis ist. Oder, positiv formuliert: beruhigende Ereignislosigkeit vor einem endlosen Horizont, über dem sich Wolken türmen. Und wenn man genau hinsieht, passiert zwar immer noch nichts, aber die Grashalme zittern nervös im ewig blasenden Wind.

Jana Horn behauptet zwar, ihr neues, schlicht nach ihr benanntes Album sei von einem Jahr in New York inspiriert, aber es wurde in einem Studio namens Sonic Ranch im Westen von Texas aufgenommen und hört sich ziemlich genau so an wie das wogende Grasland: Die Songs fließen ineinander über, die Stimmung verändert sich in kaum wahrnehmbaren Nuancen, dann taucht eine Klarinette auf und sagt schüchtern Hallo, ohne dass sich wirklich jemand drum kümmert, der eh anämische Rhythmus kommt endgültig ins Stocken und manchmal verschwinden auch die restlichen Töne einfach im Nichts.

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Der Reiz von Horns Musik liegt darin, dass klassische Songstrukturen in aller Freundlichkeit, aber sehr bestimmt für null und nichtig erklärt werden, und daraus eine neue Freiheit erwächst. „I heard an apocalypse stir and wait, and ask: is this all there is?“, fragt die Singer/Songwriterin in „Go On, Move Your Body“, dessen Songtitel als Sarkasmus durchgehen mag, aber wer braucht schon Strophe und Refrain, wenn er sich auch so schön in Melancholie suhlen kann?

Diese Review erscheint im Musikexpress 2/2026.