JJerome87 – THE CANYON: Geheimtipp aus dem Canyon
Der Alt-J-Frontmann cruist zu wundervollem Folk-Rock durch den Laurel Canyon.
Joe Newman ist nun wirklich nicht der Erste, der zu einer Reise in den Laurel Canyon aufbricht. Kaum jemand zuvor aber hat das so deutlich annonciert. THE CANYON heißt das Album, das der Alt-J-Frontmann unter seinem Alias JJerome87 aufgenommen hat, für das Cover hat er sich naiv in einem grünen Paradies mit friedlichen Tieren zeichnen lassen, die Schriften zitieren Plattencover aus den frühen 70er-Jahren. Veröffentlicht wurde THE CANYON bereits Ende des vergangenen Jahres, war aber bislang nur über die Newmans eigene Website erhältlich und hat wenig Aufsehen erregt – völlig zu Unrecht, denn das Album ist von vorne bis hinten ganz wundervoll.
Der Sound ist weich wie Zuckerwatte, die Melodien streicheln die Seele, Gitarren lauschen verliebt dem eigenen Klang hinterher, himmlische Gospelchöre kommen vorbei, der Blues schlürft ums Eck, und alles umfließt einen wie das Meer am Ende eines endlosen Sommers. Dass es mit „Quaaludes“ einen Song über das Beruhigungsmittel Methaqualon gibt, ist kein Wunder.
„Brush Me Like A Horse“ wiederum erzählt die Geschichte von dem Mann, der langsam in ein Pferd mutiert, aber es mutet weniger kafkaesk an als eher wie ein Märchen, eine Gutenachtgeschichte, alles atmet eine beruhigende Naivität. Und zum Ende von „Two Hearts“ schrauben sich schließlich die Streicher in die Höhe, als würden sie auf der Serpentinenstraße den Canyon erklimmen. Die Aussicht von dort oben ist grandios.