Jon Batiste – BLACK MOZART: Respektlos zärtlich
Mozart wird am Solo-Klavier zerlegt. Und ist nicht tot zu kriegen.
Was als Erstes auffällt: Dieser Mozart nervt nun doch schon eine ganze Weile. Denn das, was Jon Batiste auf BLACK MOZART und ganz allein mit seinem Klavier sehr schön herausarbeitet, ist erst einmal die kindliche Naivität der allermeisten Melodien – und wie tot gedudelt sie über die Jahrhunderte wurden. Aber der Oscar- und Grammy-Gewinner zerstört die Originale nicht, er umschmeichelt sie, führt sie in die Irre und bisweilen veräppelt er sie auch ein bisschen.
Geradezu genussvoll führt er die Einfältigkeit manch allzu bekannter Melodei vor, nur um sie sofort auseinanderzunehmen und neu zusammengesetzt in ganz andere Zusammenhänge zu überführen. Vielleicht täuscht es, aber bei der ersten Ausgabe seiner „Batiste Piano Series“ ging das Multitalent, das schon mit Alicia Keys, ASAP Rocky, Willie Nelson oder Prince gearbeitet hat, mit Beethoven nicht dermaßen respektlos um.
Aber es ist auch so: Wenn Batiste aufbricht zu einer seiner verschlungenen Erkundungstouren, findet er eine kleine Disharmonie hier, ein bisschen verschütteten Wohlklang dort, er erforscht auffällige Ähnlichkeiten zu klassischen Mustern aus Jazz und Pop, er verliert sich bisweilen, erzählt eine kleine Anekdote, aber gerade, wenn man nicht mehr an den ollen Mozart denkt, grätscht der plötzlich wieder voll rein, als wäre nichts gewesen. Das soll dann wohl bedeuten, dass die alten Gassenhauer einfach nicht tot zu kriegen sind.