Jon Spencer – SONGS OF PERSONAL LOSS AND PROTEST: Treue bis zum letzten Ächzen

Der Garagenrock-Opa bleibt sich treu – bis in den eigenen Tod.

Ein Innovator war Jon Spencer nie. Mit Pussy Galore war er zwar dem Grunge-Hype voraus, später mit Boss Hoss und seiner Blues Explosion zwischenzeitlich sogar auf der Höhe der Zeit, aber sein Knarz-Rock bezog sich immer auf Vergangenes. So richtig kann man es dem mittlerweile 61-Jährigen also kaum vorwerfen, dass die SONGS OF PERSONAL LOSS AND PROTEST nicht hochmodern wirken.

Eher sollte man schätzen, welche Energie der alte Mann noch in einer Garage entfesseln kann. Unterstützt wird er dabei diesmal von Kendall Wind am Bass und Macky Bowman am Schlagzeug, der Rhythmusabteilung von The Bobby Lees – einer Band, die sich offenherzig auf Spencer oder doch mindestens auf dessen Vorbilder bezieht. So schließt sich ein Kreis, und es bleibt nicht der einzige.

In „Hangover“ klingt Spencer wie Iggy Pop, in „Knock ‚Em Out“ verbeugt er sich vor den Cramps, diabolisches Lux-Interior-Lachen inklusive, und „No More“ ist ein grandios spartanisches Loblied auf das Sterben: „Let go, you can go.“ Die Gitarre ächzt wie achtzigjährige Knochen, die über Breaks und synkopierte Riffs stolpern, und Spencer schreit laut auf, wahrscheinlich tun ihm selber die Ohren weh. Ein Innovator wird aus Jon Spencer nicht mehr, aber es gibt nicht viele, die sich dermaßen treu geblieben sind.

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