Kim Gordon
PLAY ME
Matador/Beggars/Indigo (VÖ: 13.3.)
Ein so stringenter wie harscher Indie-Rock-Reader zur digitalen Gegenwart.
Zwei Soloalben veröffentlichte Kim Gordon bislang. PLAY ME referenziert sie beide und baut konsequent darauf auf: Vom Debüt NO HOME RECORD (2019) holt sie den Noise herüber, von THE COLLECTIVE (2024) eine Beatlastigkeit, deren DNA sich aus einem Wasteland zwischen Trap und diversen Bassmusiken speist.
Über alldem liegt jedoch etwas Neues: Gordon gibt sich auf dem – wie schon die Vorgänger von Justin Raisen produzierten – Album stringent: Die Songs kommen ohne Tand aus, sind nach zwei, drei Minuten vorbei. Diese zwei, drei Minuten scheinen musikalisch streng durchorganisiert, Chaos ist nur in Spuren erlaubt. Oft, etwa in „Not Today“, bauen sie auch deshalb eine Dynamik auf, die sich scheinbar am Alternative-Pop der 1990er-Jahre bedient, wobei es so einfach dann doch nicht ist: „There’s a hole in my heart“, singt sie, wie das gesamte Album von Löchern, von Fallen, von Bruchstellen handelt, die mitunter in sehr körperliche Bilderwelten gefasst sind.
Im krautartigen „Square Jaw“ heißt es „Put your lips together and blow“, während das kühlschrankkalte „Nail Biter“ fleht: „Take me out of my body!“ An anderer Stelle geht’s mitten herein in die App-Gesellschaft der Gegenwart: Der Titelsong „Play Me“ zählt zu einem einstürzenden Marching-Band-Beat-Playlist-Titel um Playlist-Titel auf, während das abschließende „Byebye25!“ als Schlagwortparade die digitale Gegenwart bilanziert. So organisiert die Musik wirkt, so frei fliegen in all diesen Songs die Texte. Sie berichten vom Jetzt. Sie moralisieren nicht, sie beobachten und verbergen dabei nicht ihre Verwunderung. „No hands on the wheel“ heißt es in „No Hands“, und das lässt sich durchaus als Leitsatz zu verstehen.



