King Gizzard & The Lizard Wizard Flying Microtonal Banana


Heavenly/[PIAS] Coop/Rough Trade

von

Ein wenig Musiktheorie vorweg: Während der Großteil der westlichen Populären und Klassischen Musik auf zwölf Ganz- und Halbtönen basiert, werden im Nahen und Mittleren Osten seit Jahrhunderten kleinere Intervalle benutzt. Dadurch entstehen zusätzliche, sogenannte Mikro-Töne oder „microtones“, deren Aneinanderreihung in ungeübten Ohren exotisch klingt. Zu hören sind diese Klänge auf vielen anatolischen Psychedelic-Rock-Platten der 70er, beispielsweise vom 1999 gestorbenen, türkischen Multimedia-Tausendsassa Barış Manço – und eben auf dem neuen Album der australischen Wahnsinnigen King Gizzard & The Lizard Wizard, die für mehrere Hundert Australische Dollar ihre Harmonika sowie ihre Gitarren, Bässe und Keyboards in mikrotonale Instrumente umwandeln ließen, um ihrem atemlosen, perkussiven Kraut-Garage-Rock eine bislang ungehörte Note (haha) zu verleihen.

FLYING MICROTONAL BANANA ist tanzbarer, dynamischer als der Metal-lastige Vorgänger NONAGON INFINITY (2016) und das erste von insgesamt fünf Alben, die die Band für dieses Jahr angekündigt hat und die selbstredend alle im ME besprochen werden – alle auch im Rahmen eines eigenartigen Sozialexperiments der Redaktion vom Autor dieser Zeilen. Bei der schieren Masse an Songs und Alben (sechs in den vergangenen drei Jahren), die King Gizzard veröffentlichen, müssen rein statistisch gesehen ein paar Rohrkrepierer dabei sein, und es gibt auf FLYING… eine Handvoll Songs, die eher nach konfusen Gimmicks klingen als nach fertig komponierten Stücken. Die kompakteren Songs funktionieren am besten: „Billabong Valley“ ist ein hirnschmelzender Ritt in die untergehende Spaghetti-Western-Sonne, „Sleep Drifter“ einer der eingängigsten und filigransten Songs im mittlerweile beträchtliche Ausmaße annehmenden King-Gizzard-Œuvre. Eines der nächs­ten vier Alben hat Sänger Stu Mackenzie übrigens als „kinda jazzy“ angekündigt. Man darf gespannt sein.


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