Klez.e – EINMAL MEHR MIT DIR GEGEN DIE FURCHT: Wahrhaftiger Schmerz, kein Selbstzweck
Gothic-Rock als Pathos-Antidot gegen die Dummheit des Bösen.
Man muss nicht weit gucken, um festzustellen, welch Geistes Kind EINMAL MEHR MIT DIR GEGEN DIE FURCHT ist. Man muss nur mal auf die Songtitel gucken: „Melancholia“, „Im Herbst“, „Einer mehr im Zement“. Selbst das „Paradies“ ist bloß ein Ort, an dem jemand „die ganze Zerstörung der Welt“ auf sich nimmt, und auch „La Boum“ kommt trotz eines aufgeräumt klingelnden Glöckleins dann doch zähflüssig daher wie Wasser kurz vorm Gefrierpunkt.
Klez.e gibt es nun fast ein Vierteljahrhundert, in dem sich die Berliner Band nie neu erfunden hat, sondern unbeirrt an einem Ansatz weiterarbeitete, der nun auf ihrem sechsten Album in schlüssiger Konsequenz erstrahlt. Gitarrist und Sänger Tobias Sievers, der mit weiteren Projekten (Delbo, And The Golden Choir) und Produktionsjobs (Phillip Boa, Me & My Drummer, Juli u.v.a.) ganz anders klingt, schreibt Songs, in denen die Protagonisten „am längsten Tag im Jahr“ verlorengehen („Melancholia“), sie verzweifeln am eigenen Konsum, am „Kummer unserer Zeit“ und „fallen in den eigenen Rotwein“ („Ich seh es an mir“), während dazu träge Gitarren verzweifelt Alarm schlagen, Daniel Moheits suizidale Keyboardflächen die Welt grau übertünchen und das Schlagzeug von Filip Pampuch durch entzündete Eingeweide wummert.
Die Musik geht dahin, wo es wirklich weh tut, wo der Mensch an sich selbst scheitert, aber sie geht mit dem Menschen dort hin. Ja, das klingt jetzt geschwollen, aber das ist eben die Größe dieser Musik, eine Größe, die ja auch The Cure beherrschen, die schon immer und immer noch als Überväter über Klez.e schweben, dieses Pathos zu überwinden und wahrhaftig klingen zu lassen. Ein Pathos, das man schon mal braucht als Antidot gegen die Dummheit des Bösen, das dieser Tage so hemdsärmlig und nebensächlich daherkommt.