Mexican Institute Of Sound And Meridian Brothers – „RUIDO TOVAR“: Loser trifft Cumbia
Beck in Cumbia. Oder: Ein transformativer Latin-Geniestreich.
Was hat Becks „Loser“ in den frühen 1990er-Jahren nicht alles in Bewegung gesetzt? Der Song des Amerikaners wurde zu einem Surprise-Crossover-Hit, er verwies die Alternative-Rock-Gemeinde an den HipHop und reicherte das Slackertum mit einem Update amerikanischer Bluesmusik an – mit reichlich Selbstironie in der Darstellung. Mehr als 30 Jahre später greift Beck Hansen zur Gitarre, um eine Variation seines „Loser“-Intros auf eine Platte von Eblis Álvarez (Meridian Brothers) und Camilo Lara (Mexican Institute Of Sound) zu bringen – der Kontextsprung gelingt vollends, hier wird der ikonische „Loser“ zum Gewinner einer an Transformationen und Referenzen so reichen Platte.
File under: Beck in Cumbia. Álvarez und Lara haben in nur einer Woche diese zehn Songs fertiggestellt, sie switchen mühelos von kolumbianischer zu mexikanischer Cumbia und beziehen sich auf die Aufnahmen von Rigo Tovar, der Moog-Synthesizer und Rock-Gitarren in die Latin Music der 1970er und 1980er brachte. Die Künstler nennen das, was sie produziert haben, „seltsame Musik“.
Und die reicht über kulturelle Herkünfte und die Zeiten hinaus, wenn in „Ritmo Babilonia“ nicht nur Beck als Sänger, sondern auch ein Chor auftaucht, der an die Früh-70er-Aufnahmen des Brasilianers Tom Zé erinnert, dazu zitternde Keyboards und Roots-Rock-Gitarre, die das Cumbia-Gemälde komplettieren. Auf RUIDO TOVAR kommen auch zwei Welpen aus Laras Besitz heulend zum Einsatz, und wenn die Musiker singen, dann lauschen wir Hymnen auf Flugzeuge, Lieder über Kommunismus und Herzschmerz, aber ganz ernst sind sie nie gemeint.