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Middle Kids Today We’re The Greatest


Lucky Number/Rough Trade (VÖ: 19.3.)

von

Was Middle Kids aus Australien richtig machen: Sie ziehen auch mal das Tempo an. „R U 4 Me?“ zum Beispiel schreitet flott voran und erhebt sich damit aus der melancholischen Dauerschleife, in der viele Indie-Folk-Bands gefangen gehalten werden. Sogar Gitarrenkrach und ein kehlig-ätzendes Lachen von Sängerin Hannah Joy gibt es zu hören, passend übrigens zum Inhalt des Stücks, das einen persönlichen Lagerkampf beschreibt.

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Auch das ist eine Stärke der Band: Dies sind keine Lieder über unendliche Möglichkeiten, viele der Songs drängen auf Entscheidungen, auf Loslösungen von „Bad Neighbours“ oder darauf, sich endlich mit einem Plan durch L. A. zu bewegen. Hannah Joy erledigt ihren Job als Sängerin hervorragend, in besagtem „Lost In Los Angeles“ erreicht ihre Stimme die Intensität großer Kolleginnen wie Hannah Marcus oder Weyes Blood.

Die Band neben ihr kann da nicht mithalten, das Klangbild erfüllt brav die Erwartungen, Überraschungen gibt es nur ab und an, bei „Golden Star“ zum Beispiel, wo das Akkordeon in eine himmlische Coda überführt. Das Potenzial ihrer Sängerin nutzen Middle Kids nicht aus. Wetten, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft ein Soloalbum von Hannah Joy abfeiern werden?


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