Noah Cyrus The Hardest Part


Sony (VÖ: 16.9.)

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Ständig mit der großen Schwester verglichen zu werden, kann schon für weniger prominente Menschen ein Fluch sein. Noah Cyrus jedenfalls hat darunter sehr gelitten, wie sie kürzlich in einem Interview mit dem US-„Rolling Stone“ verriet. Seit Geburt an im Schatten ihrer älteren Schwester Miley – einem der größten Stars der 2010er- Jahre – kämpfte die 22-jährige Singer/Songwriterin jahrelang dafür, ihre eigene Stimme zu finden. Die verzweifelte Suche nach sich selbst kumulierte in Depressionen, Angstzuständen, Xanax-Abhängigkeit.

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All dies besingt Noah Cyrus nun auf ihrem Debütalbum THE HARDEST PART – einer Platte, die ebenso brutal ehrlich wie auch zart komponiert ist. Begleitet von einer gezupften Akustikgitarre lautet der erste Satz des Albums: „When I turned 20, I was overcome with the thought that I might not turn 21.“ Alle zehn Songs auf der Platte zeichnen ein düsteres Bild von dem angeknacksten Seelenleben einer sehr jungen und sehr sensiblen Person. Es geht um toxische Beziehungen, Medikamentenmissbrauch, Suizidalität. In „Mr. Percocet“ singt Cyrus: „I come second to every Percocet you take“, erst kommen die Drogen, dann ich.

Doch so tragisch der Inhalt auf THE HARDEST PART oft ist, so liebevoll ist die musikalische Untermalung. Die Country-Einflüsse der geborenen Texanerin sind auf der Platte nicht zu überhören – sei es ein Banjo, das sanft im Hintergrund vor sich hin plätschert, oder der weich klopfende Beat des Schlagzeugs. Cyrus ist am besten, wenn sie sich introspektiv zeigt, wenn ihre Stimme die Melodie trägt. Das funktioniert besonders gut beim Opener „Noah (Stand Still)“ und „My Side Of The Bed“.


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