Other Lives :: Tamer Animals

TBD Records/PIAS/Rough Trade

Die Band aus dem Mittleren Westen der USA setzt mit gefühlvoll orchestrierten Western-Balladen ein erstes Zeichen.

Es ist nie so ganz verkehrt, wenn eine Band versucht, die Eigenheiten ihrer Lebensumgebung auf ihre Musik einwirken zu lassen. Other Lives haben das getan. Sie stammen aus Stillwater in Oklahoma. Aus einer Stadt im Mittleren Westen der USA, die von der endlosen Weite der Prärielandschaft umschlossen ist. Da kommt man schon mal auf Gedanken und singt über die Dust Bowl, die Wüste, Wetterkapriolen und einsame Reiter. Der Rhythmus galoppiert im gemächlichen Tempo, Orchesterpassagen wehen wie Sandstürme durch die Stücke und die Stimme verirrt sich in einem Grenzzustand zwischen irdischem Dasein und einer geträumten Flucht ins Jenseits. Deshalb wirkt dieses Album weitaus zwingender und ergreifender als die spartanischere, auf Kammermusik-Folk fußende Debütplatte der Band. Der Song „Old Statues“ etwa ist ein echtes Monument. Der Western-Twang, die bittersüßen Stimmen im Hintergrund und das tänzelnde Piano verweisen unüberhörbar auf das Klangbild in den Soundtracks des großen Ennio Morricone. Das ist aber nicht das beherrschende Moment. Es wäre zu offensichtlich, immer nur darauf herumzureiten. Genauso präsent ist das Gefühl von Other Lives für eine gespenstische, psychedelische Atmosphäre, die zum Beispiel auch in den Produktionen von Dave Fridmann für Mercury Rev und die Flaming Lips mitschwingt. Es ist deshalb wohl auch kein Zufall, dass der ebenfalls aus Oklahoma stammende Flaming-Lips-Chef Wayne Coyne zu den Bewunderern von Other Lives zählt. Wir sollten ihm langsam Gesellschaft leisten.

Key Tracks: „For 12“, „Old Statues“, „Desert“

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