Phoebe Green Lucky Me


Chess Club/Better Things (VÖ: 19.8.)

von

Was macht man, wenn die eigenen Bedürfnisse miteinander im Zwiespalt liegen? Phoebe Green erforscht auf ihrem Debütalbum ihre inneren Widersprüche, ihr dysfunktionales Verhalten und die eigene mentale Gesundheit. Der Albumtitel LUCKY ME darf also ironisch verstanden werden. In ihrem Narrativ ist sie selbst die Antiheldin, seziert Bindungsängste, Schuldgefühle, Selbstsabotage und vertrackte Kommunikationsmuster, die sich in ihren 24 Lebensjahren angesammelt haben.

In „Clean“ versinkt ihr sanfter Gesang in von Reverb triefenden Gitarrenriffs und watteweichen Pads, als würde sie sich beim Grübeln in sich selbst verrennen. So simpel die Melodien und so charmant die Mischung aus Pop und Electronica scheinen, so unverstellt, ohne Verschnörkelungen und Metaphern sind auch die Lyrics der Musikerin aus Manchester.

„Don’t talk like that you’re such a brat“, herrscht sie sich selbst an im Titelsong, der davon handelt, dass es nicht so einfach ist, die eigenen psychischen Probleme ernst zu nehmen, wenn man eine privilegierte Kindheit hatte. Aber LUCKY ME ist schließlich eine erfolgreiche Therapiestunde: Die Künstlerin versöhnt sich mit sich selbst, auch ihren unliebsamen Charakterzügen. Diese radikale Selbstakzeptanz wirkt beim Hören geradezu ansteckend.


ÄHNLICHE KRITIKEN

Shygirl :: Nymph

Hüh und hott, rein und raus: Dieses gar nicht schüchterne Girl poppt rhythmisch zu makellos produzierter Post-Bass-Musik.

Gaddafi Gals :: Romeo Must Die

Der Apokalypsen-Pop des Trios ist mehr als seine einzelnen Teile Walter P Arkestra Nalan und Ebow.

Pixies :: Doggerel

Der verhexte Americana der Bostoner läuft ganz, ganz langsam im Classic-Rock-Hafen ein.


ÄHNLICHE ARTIKEL

3 Platten, die auch in der aktuellen Hitzewelle gute Laune machen

Hot Chip changieren zwischen Chic und den Pet Shop Boys, Phoebe Green wurde von Billie Eilish empfohlen und Sophia Blenda schreibt Songs zwischen Poesie und Politik.

Alben der Woche: Florence + the Machine, Kat Frankie und Perel

Diese Woche besprechen wir die neuen Platten von drei fantastischen Künstlerinnen: Florence + the Machine, Kat Frankie und Perel.

Musik aus Swan Song / Schwanengesang (streamen auf Apple+)

Wie heißt die Musik aus dem Film Swan Song / Schwangenesang?


3 Platten, die auch in der aktuellen Hitzewelle gute Laune machen
Weiterlesen