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Queen Sheer Heart Attack


„Ich werde nicht berühmt, will es auch nicht werden. Ich werde eine Legende!“ – mit Queens ’74er Album sollte dieser Initialsatz Freddie Mercurys Karriere beginnen, Wirklichkeit zu werden. Nach zwei LPs, die trotz immer wieder durchscheinender Übergröße in ihrer Gänze noch etwas verstiegen, unentschlossen und tatsächlich auch teilweise öde waren, erfüllte

SHEER HEART ATTACK

, was sein Titel versprach: 12,5 Songs, denen es ihre – für Queen-Verhältnisse – großenteils radikal knackige Kürze erlaubte, sich umweglos im Inneren von Millionen festzusaugen. Die wohl bekanntesten Stücke dieser Platte, die elegante Vaudevillenummer „Killer Queen“ und der Stadionrocker „Now I’m Here“, beschreiben bereits die Spannweite der Flügel dieses großen, bunten Vogels: Dazwischen liegen der Thrash-Metal-Pionier „Stone Cold Crazy“, das rebellische „Tenement Funster“ und „Brighton Rock“, dessen zugängliche Verschachteltheit zum Trademark der Gruppe wurde. Besondere Erwähnung verdient, wie diese Platte als Bindeglied zwischen ihrem Vorgänger und ihrem Nachfolger funktioniert: So beginnt das Opener-Opus „Brighton Rock“ mit der gepfiffenen Melodie von „I Do Like To Be Beside The Seaside“, mit dem „Seven Seas of Rhye“ acht Monate zuvor QUEEN II zum Abschluss brachte. Auch das feenhafte „Lily Of The Valley“ nimmt hier mit der Zeile „Messenger From Seven Seas Has Flown / To Tell The King Of Rhye He’s Lost His Throne“ Bezug auf eben genanntes Stück. Der Closer „In The Lap Of The Gods“ schließlich war als Vorspiel zum Jahrhunderterfolg „Bohemian Rhapsody“ auf A NIGHT AT THE OPERA gedacht. Der damals noch unvollendete Titeltrack erschien darüber hinaus erst auf dem überübernächsten Album NEWS OF THE WORLD.

Kooperation

SHEER HEART ATTACK

zeigt mit all seiner Wucht und Cleverness, dass es nie ihr musikalische Output war, der Queen zur heute gerne belächelten Kindheitserinnerung verkommen ließ. Auch wenn ihre Schaffensphase in den mittleren 80ern vielleicht mit etwas weniger Kreativität auskommen musste – in der Summe (und SHEER HEART ATTACK machte eine gewaltige daraus) waren Queen eine fantasievolle Macht, die heute auf Augenhöhe mit Led Zeppelin und den Beatles sein müsste. Einen Löwenanteil der Schuld an ihrem Coolness-Niedergang tragen allerdings zumindest zwei der überlebenden Bandmitglieder selbst (der gute John Deacon besann sich rechtzeitig auf sein Altenteil): Drummer Roger Taylor und Gitarrist Brian May taten nach dem Ableben Mercurys tatsächlich so einiges, um das Ansehen ihrer eigenen Legende zu ramponieren. Doch von den vielen schlechten Coverversionen, die die beiden zum einen weder verhinderten (z.B. „Bicycle Race“ von Blümchen und „Who Wants To Live Forever“ von Dune), zum anderen auch noch selbst tatkräftig unterstützten (bei „We Will Rock You“ als Featuring (!) der Boyband 5ive), dem unsäglich würdelosen Musical und der unverständlichen Verschmelzung mit Paul Rodgers zu Queen+ soll hier gar nicht groß die Rede sein. Dieser Platz gebührt einem unanfechtbaren Meisterwerk, das heute eine größere Popularität als die ihrer Anspielung auf einem Die Sterne-Album („Schier Herzattacke“ auf IRRES LICHT) genießen sollte. Wobei man sich über so eine Referenz natürlich an sich nicht beschweren darf.

Stephan Rehm – 29.12.2007

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