Album der Woche

Robyn

SEXISTENTIAL

Konichiwa/Young (VÖ: 27.3.)

Dekonstruierte Hypertanzmusik mit Selbstermächtigungs-Appeal.

Ist Robyn die Verkörperung der an- strengenden Frau, die sich einfach nicht beruhigen will, die immer irgendwie zu viel ist und zur falschen Zeit zu laut und überdreht auftritt? In den Augen derjenigen Menschen, die Entgrenzung und Überschwang als Bedrohung empfinden, weil beides ja dazu führt, keine Einordungs-Kontrolle über andere haben zu können, wahrscheinlich schon.

Robyn, deren Karriere nun schon seit ihrem zwölften Lebensjahr wärt, schert das alles nicht. Im Gegenteil. Mit einem Händchen für Style und Eskapismus liefert sie zuverlässig das ab, was einsame Nächte und die Tage mit ihren Alltagsstupiditäten dringend brauchen: Glanz! Rhythmus! Lautstärke! SEX! Auf ihrem neunten Album SEXISTENTIAL bietet sie Ideen zu Letzterem selbstbewusst und unverkrampft an. Das eigene Begehren wird in Wort und Beat durchformuliert, Forderungen aufgestellt und Angebote gemacht. „Yeah I’m so close I’m almost there. Want you to tell me how to do it. It’s not as good by myself so baby will you talk me through it“, singt sie in „Talk To Me“ und hievt das gute, alte Thema Telefonsex wieder auf sein verdientes Podest zurück.

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Ihre eigene IVF-Behandlung und ihre Mutterschaft thematisiert sie auch, trennt aber diesen Komplex vom Sex-Life. Ein hochfeministischer Ansatz. Musikalisch wird dekonstruiert, dass die Schwarte kracht. Immer, wenn man denkt, jetzt wisse man, was kommt, werden Soundspuren in den Vordergrund gerückt, die man nun gerade nicht auf dem Zettel hatte. Ein Spiel mit Erwartungen, das sie im wahrsten Sinne des Wortes „beherrscht“. In SEXISTENTIAL wird über die geschützten Räume der Nacht erzählt. Und zeigt uns gerade deshalb, wie körperlich „tagsüber“ eigentlich sein sollte.