Sassy 009
DREAMER+
PIAS/Heaven Sent (VÖ: 16.1.)
Experimenteller Hyper-Pop, in dem mehr Hyper als Pop steckt.
Man hört DREAMER+ an, dass es fast vier Jahre im Studio reifte, bis sich Sunniva Lindgard alias Sassy 009 mit dem Ergebnis zufrieden gab: einer traumverdunkelten Elektronik-Welt, in der nichts ist, wie es scheint. Sassy 009 trat 2017 erstmals als Trio in Erscheinung, 2021 schob die Osloer Produzentin ein introspektives Mixtape als SoloAct nach. Während der Produktion ihres offiziellen Debütalbums DREAMER+ stellte sich Lindgard bewusst vor, für eine Live-Band zu schreiben, anstatt der Versuchung nachzugeben, sich in tausend Layern zu verlieren.
Gleichwohl klingt ihr Entwurf hochartifiziell: Hyper-Pop, in dem mehr Hyper als Pop steckt. Ihre raue, maulwurfige Stimme jagt sie exzessiv durch Filter, eine ordentliche Portion AutoTune schadet auch nie. Der Opener „Butterflies“ negiert die Leichtigkeit seines Titels, der akustische Brutalismus samt hinein- und hinausbrummenden Motorrads führen in eine andere Richtung als der oft triphop-geschulte Rest des Albums, wie etwa das flauschige „Tell Me“, in dem Dev Hynes aka Blood Orange in den Gesang mit einstimmt.
So morpht DREAMER+ vor sich hin, mal shoegazig, mal tanzbarer, bis die allergrößte Überraschung dem Album-Closer gelingt: „Ruins Of A Lost Memory“ hatten Lindgards Eltern in den Neunzigerjahren für den ESC geschrieben, ein ziemlich beknackter Musical-Song, der diesem düsteren Märchenwald ein unerwartetes Ende setzt.
Diese Review erscheint im Musikexpress 2/2026.



