Shabaka
OF THE EARTH
Shabaka/Rough Trade (VÖ: 6.3.)
Der Jazz-Innovator feiert Wiedervereinigung mit seinem Saxofon.
Manche Beziehungen brauchen mal eine Pause. Kurz verschnaufen, durchatmen, darüber nachdenken, warum man zusammen ist – ob es überhaupt noch eine gemeinsame Grundlage gibt. So schien es dem Londoner Musiker Shabaka Hutchings, auch bekannt als King Shabaka (ein Name, von dem Jazzfans wissen, dass er alles andere als übertrieben ist), mit dem Saxofon zu gehen, das Instrument, das seine Karriere so geprägt hat.
Sons of Kemet, Shabaka and the Ancestors, The Comet is Coming – sein treibendes, energetisches Saxofonspiel hat den Sound aller drei Bands geprägt. Aber irgendwie war nach Jahren intensivem Touren und Aufnehmen und Touren die Luft raus, 2023 kündigte Shabaka eine Pause vom Saxofon an, auf unbestimmte Zeit. Stattdessen wandte er sich Flöten und anderen Windinstrumenten aus aller Welt zu, was uns berührende Veröffentlichungen irgendwo zwischen Jazz und New Age Music geschenkt hat.
Aber Grenzgänger war Shabaka als zentrale Figur der Londoner Jazzszene der 2010er-Jahre sowieso: weniger Blues, mehr Einflüsse aus Punk, HipHop und elektronischer Musik. Mit der Rückkehr zum Saxofon – er und das Instrument haben doch wieder zusammengefunden – auf OF THE EARTH verbindet er jetzt beide Welten. Auch wenn alles entspannter klingt als etwa bei The Comet is Coming, klingt der Punk in ihm mit Stücken wie „Call The Power“ doch immer noch an. Eine gelungene Rückkehr des schönsten Paars im Gegenwartsjazz.
Diese Review erscheint im Musikexpress 4/2026.



